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Herz aus Stahl
Herz aus Stahl
© Sony Pictures

Kritik: Herz aus Stahl (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nicht nur das deutsche Kino arbeitet sich beständig am Zweiten Weltkrieg ab. Auch in Hollywood erfreut sich dieser Themenkomplex anhaltender Beliebtheit. Selbst wenn es so aussieht, als sei mittlerweile alles gesagt, gibt es immer wieder Regisseure, die den verheerenden Konflikt mit Hitler-Deutschland in den Mittelpunkt eines ihrer Werke stellen. So auch der amerikanische Genre-Filmer David Ayer, der in jüngerer Zeit mit seinem dokumentarisch anmutenden Polizeithriller "End of Watch" für positive Aufmerksamkeit sorgen konnte. In "Herz aus Stahl" nimmt er die Endphase des Zweiten Weltkriegs in den Blick und erzählt, auf recht schonungslose Weise, von einer ausgezehrten US-Panzereinheit, die auf der Suche nach Nazi-Truppen durch brachliegendes Feindesland walzt. Ständig Gefahr laufend, in einen Hinterhalt zu geraten.

Erzählerisch hat Ayers grimmiger Kriegsactioner nicht allzu viel zu bieten. Kämpfen, weiterziehen, Lage besprechen, kämpfen – das sind die Zutaten des episodischen Drehbuchs, das der Regisseur selbst verfasste. Von Interesse sind vor allem die Dynamiken innerhalb der Panzercrew rund um den ruppigen Sergeant Don "Wardaddy" Collier (Brad Pitt) und die hoffnungslos düstere Atmosphäre, die der Film von Anfang an heraufbeschwört. Triste Farben dominieren jede Einstellung, und die deutschen Landstriche (gedreht wurde in England!) versinken in Matsch, Rauch und Blut. Krieg ist dreckig und in Wahrheit nichts für strahlende Helden, wollen uns diese Bilder unmissverständlich sagen.

Über den Grünschnabel Norman Ellison (Logan Lerman) taucht der Betrachter in das unübersichtliche Frontgeschehen ein, in dem letztlich nur eines zählt: der unbedingte Überlebenswille. Colliers Truppe ist ein verschworener Haufen, den das fortlaufende Kriegstreiben merklich abgestumpft hat. Der Feind wird verhöhnt und selbst dann erbarmungslos niedergemacht, wenn er den Amerikanern unbewaffnet entgegentritt. Während der Film nicht müde wird, die Grausamkeit des Nazi-Regimes zu betonen, überrascht er immer wieder mit einer erstaunlich kritischen Haltung gegenüber den vermeintlich aufrechten US-Soldaten. Nicht zuletzt während einer ruhigen Passage im Mittelteil, bei der "Wardaddy" und Norman nach der Eroberung einer Kleinstadt auf zwei deutsche Zivilistinnen treffen und ihre Angst im Grunde schamlos ausnutzen. Zwar blitzt in diesen Momenten so etwas wie Verständnis und Hoffnung auf. Zugleich unterstreicht Ayer aber auch das Bedrohungspotenzial, das von den amerikanischen Kämpfern ausgeht.

Angesichts derartiger Brüche ist es verwunderlich, dass so mancher Kritiker "Herz aus Stahl" als unreflektierte Heldengeschichte abtut. Patriotische Untertöne machen sich im etwas erzwungen wirkenden Schlussdrittel sicherlich breit, dienen jedoch nicht der billigen Soldatenverehrung. Vielmehr kommt in den kruden Beschwörungsformeln und Selbstversicherungen der ganze Kriegswahnsinn zum Ausdruck. Einfache Männer haben sich in willenlose Killermaschinen verwandelt und sind nun sogar bereit, in den sicheren Tod zu rennen.

Eine seltsame Faszination umweht "Herz aus Stahl" nicht nur aufgrund seiner ambivalenten Figurenzeichnung. Auch die eindringliche Inszenierung der Panzergefechte wirkt geschickt auf das Publikum ein. Wiederholt zwängt uns Ayer in die Enge des schweren Gefährts und führt uns dabei die Unübersichtlichkeit des Kampfes vor Augen. Kugeln fliegen unablässig durch die Luft, und mehr als einmal sind weggesprengte Leichenteile deutlich auszumachen. Schreckensbilder, die das gegenseitige Abschlachten geradezu physisch spürbar machen und keinen Zuschauer kalt lassen dürften.

Fazit: Trotz inhaltlicher Reduktion bringt David Ayer mit seinem dreckig-brutalen "Herz aus Stahl" das ganze Grauen des Krieges zum Vorschein. Leuchtende Helden gibt es hier ebenso wenig wie überschwänglichen US-Patriotismus.





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