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The Revenant - Der Rückkehrer
The Revenant - Der Rückkehrer
© 20th Century Fox

Kritik: The Revenant - Der Rückkehrer (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das grimmige Helden- und Survivalepos, das der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu ("Birdman") erzählt, basiert lose auf einer wahren Geschichte. Die Person des Hugh Glass gab es im 19. Jahrhundert wirklich: Der Mann, der für die Pelzhandelsgesellschaft Rocky Mountain Fur Company arbeitete, musste nach einer Grizzlyattacke allein zum Sterben in der Wildnis zurückbleiben. Aber er überlebte und wurde aufgrund dieser spektakulären Rückkehr aus dem Reich der Toten zur amerikanischen Legende. Iñárritu macht aus diesem Stoff eine rund 150 Minuten lange Studie der Härteprüfungen, der Qualen und der Willenskraft. Diese an der American Frontier spielende Sisyphos-Saga schildert eine erbarmungslose Welt, in der jeder gegen jeden kämpft: Soldaten und Pelzhändler gegen Indianer, die Indianer auch gegen feindliche Stämme, der einzelne Mensch gegen die Natur und ihre Geschöpfe.

Leonardo DiCaprio spielt einen Übermenschen. Viel hat er nicht zu sagen, weil er entweder zu verletzt ist, um mehr als Stöhn- und Krächzgeräusche von sich zu geben, oder gerade niemanden um sich hat. Der Grizzly reißt ihm die Adern auf, so dass er an Ort und Stelle vom Militärarzt zusammengenäht werden muss. Mit hohem Fieber liegt er im Wald, sein Bein ist nicht zu gebrauchen. Indianer kommen, er muss im eisigen Fluss untertauchen. Er fällt einen Wasserfall hinab und später einen Abgrund, landet in einer Tanne und kommt auf der Erde wieder zu sich. In seinen Träumen verfolgen ihn die Bilder des von Soldaten verwüsteten Pawnee-Dorfes, seiner toten Frau, des kleinen Sohnes, den er retten konnte. Wirklich schauspielern muss DiCaprio in dieser physischen Rolle kaum. Der Regisseur konzipiert Glass ohne Zwischentöne als heroische Figur in einer gottverlassenen Umgebung.

Für diese krude Reimagination des Treibens an der Frontier setzt Iñárritu auch visuell auf Düsternis. Die Sonne steht meistens tief, die Natur ist in Halbdunkel gehüllt: der Fluss, die Felsen, die Baumstämme, der Nebel - eine Orgie in Grau. Oder es liegt Schnee, der die Gefahr des äußeren und inneren Kältetods heraufbeschwört. Auf dem wahlweise braunmatschigen oder weißen Boden breiten sich immer wieder die Spuren eines Gemetzels, eines irren Blutvergießens aus, das einmal sogar die Kamera bespritzt. Die Aussage, wie schrecklich es an jenem Ort zu jener Zeit zuging, ist nicht neu, aber das Drama lässt sich von der Härte und Verrohung, die es schildert, geradezu hypnotisieren. Die monotone Musik schwebt wie eine Klage über der einsamen, indifferenten Landschaft.

Fazit: Um in der unbarmherzigen Wildnis der American Frontier des 19. Jahrhunderts und inmitten des Blutvergießens zwischen Weißen und Indianern zu überleben, muss ein Mann heroische Kräfte entwickeln. Iñárritus Survival-Abenteuer gerät zur bildgewaltigen Studie infernalischer Prüfungen, einer kruden Sisyphos-Saga in Grau und Blutrot.





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