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Die Croods - Alles auf Anfang
Die Croods - Alles auf Anfang
© 20th Century Fox

Kritik: Die Croods - Alles auf Anfang (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Teil 2 der Croods folgt in seiner Grundidee dem ersten Teil und soll eine beschwingte und jugendgerechte Auseinandersetzung mit der Idee von "Fortschritt" sein. Diesmal kommt in gewisser Weise auch eine soziologische Komponente hinzu, handelt es sich bei der Familienfehde zwischen den Croods und den Bettermans doch in erster Linie um soziale Konflikte um Status, Macht und die "gesellschaftliche Hegemonie": Während die Croods und vor allem Papa Grug in erster Linie für konservative Werte wie Familie, Zusammenhalt, Kollektiv stehen, vertreten die modernen Bettermans Bildung, Individualismus und die "Zukunft".

Das Schöne an "Die Croods 2" ist, dass diese beiden Ideen und Vorstellungen von Leben, die im konkreten Fall auch durch die Lebensbedingungen und - bedürfnisse geprägt sind (Überleben vs. Leben), nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern nebeneinander existieren dürfen - trotz aller Reibung. Vater Crood übersieht ob seiner Idee vom unbedingten Zusammenhalt den Freiheitsdrang seiner Tochter, die sich entfalten und ihr eigenes Leben leben möchte, Vater Betterman hingegen ist aufgrund seiner manchmal distanzierten und egoistischen Art für seine Tochter schwer greifbar und vergisst ob seiner Fortschritts-Obsession die Bedeutung von Zusammenhalt und Familie. Am Ende müssen die beiden Alphamänner erkennen, dass sie sich trotz aller oberflächlichen Unterschiede viel ähnlicher sind als gedacht.

Innovativ ist all das natürlich nicht, aber solide geschrieben, in eine ordentliche Dramaturgie gegossen - und zudem schön animiert: Hier hat man sich bei den produzierenden Dreamworks-Studios nicht lumpen lassen und liefert wie gewohnt auf hohem Niveau ab. Lobenswert erwähnen muss man auch die (Original-)Sprecher rund um Nicolas Cage, Emma Stone, Peter Dinklage oder Catherine Keener, die allesamt einen tollen Job machen und durch ihre Sprachakrobatik für jede Menge Freude sorgen.

Warum "Die Croods - Alles auf Anfang" aber trotz allem nicht mehr als eine solide Fortsetzung geworden ist, die nicht aus der Masse herausragt, liegt gerade daran, dass man sich an den (amerikanischen) Massengeschmack anbiedert. Gerade das Finale folgt viel zu sehr dem Schema F jüngster US-Produktionen: Etwas Klamauk, etwas (Pseudo-)Feminismus und Fortschritt und ganz viel Vorsicht bei der Präsentation der ach so wichtigen Messages. Ja niemandem auf die Füße treten, alle zufrieden stellen, und sei es nur halb - und dabei auf Originalität und Kreativität vergessen: "Croods 2" laboriert, besonders im letzten Drittel, an der bekannten Disney-Krankheit, die biedere und in letzter Konsequenz langweilige und austauschbare Werke hervorbringt. Schade.

Fazit: Über weite Strecken amüsante Animations-Fortsetzung, die technisch auf hohem Niveau agiert und auch dramaturgisch und inhaltlich interessante Aspekte zu bieten hat, erzählerisch am Ende aber im US-Mainstream versumpft.




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