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Werk Ohne Autor
Werk Ohne Autor
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Werk ohne Autor (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Mit "Werk ohne Autor" meldet sich der 1973 in Köln geborene Florian Henckel von Donnersmarck nach seinem Oscar-prämierten Langfilmdebüt "Das Leben der Anderen" (2006) und seinem wenig erfolgreichen Hollywood-Einstand "The Tourist" (2010) zurück. Seine neue Arbeit feierte im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig ihre Premiere – und zeigt abermals, dass Donnersmarck mit seinem kreativen Team (hinter der Kamera: Caleb Deschanel) wuchtige Aufnahmen schaffen kann. Zugleich vermag die Geschichte, die sich auf die Biografie des Künstlers Gerhard Richter bezieht, jedoch nicht zu überzeugen – was insbesondere an der eindimensionalen Gestaltung des Personals liegt.

Tom Schilling ("Oh Boy") verkörpert den jungen Kurt Barnert ab dem Zeitpunkt, als dieser seine Kindheit hinter sich lässt. Und wie so oft gelingt Schilling eine intensive Coming-of-Age-Performance, in der Kurts Selbstsuche glaubhaft vermittelt wird. Sebastian Koch, der auch schon in Donnersmarcks "Das Leben der Anderen" in einer Hauptrolle mitwirkte, kann indessen kaum gegen die schlicht-monströse Zeichnung des Antagonisten Carl Seeband anspielen. Ebenso sind Paula Beer ("Frantz") und Saskia Rosendahl ("Lore") – die beide ein beachtliches Engagement an den Tag legen – einem Drehbuch unterworfen, dass sämtlichen Frauenfiguren nur ein Dasein als Funktionsträgerinnen (die obendrein auffällig oft unbekleidet sind) zugesteht. Manche Nebenparts sorgen hingegen für interessante Momente – etwa die von Oliver Masucci ("Er ist wieder da") interpretierte Rolle von Kurts Mentor Antonius van Verten, welche sich an Joseph Beuys anlehnt.

Die von Kurts Tante Elisabeth formulierte Botschaft des Films – "Sieh nicht weg!" – ist richtig und wichtig; gleichwohl trifft Donnersmarck im Laufe seiner Erzählung und Inszenierung zu viele fragwürdige Entscheidungen, etwa in der Verwendung einer Parallelmontage, um drei Schauplätze in Kriegszeiten zu verbinden. Die Kunstwelt der 1960er Jahre wird wiederum mit zu geringer Einfühlung dargestellt. Dass die Kunst hier als Mittel zur Wahrheitsfindung und zur Konfrontation mit der Vergangenheit eingesetzt wird, ist reizvoll, wird allerdings nicht mit dem nötigen Einfallsreichtum umgesetzt. "Werk ohne Autor" bleibt in seinen Aussagen über Kunst und Wahrheit letztlich zu oberflächlich.

Fazit: Ein Film mit einigen starken Bildern und einem namhaften Cast, aber auch mit deutlichen Schwächen in der Dramaturgie und in der Figurenzeichnung.




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