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Free Guy
Free Guy
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Free Guy (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dem Filmhelden Guy geht es ähnlich wie einst dem Versicherungsangestellten Truman Burbank in "Die Truman-Show". Auch er muss eines Tages feststellen, dass er in einem simulierten Universum lebt, in dem andere die Strippen ziehen. Die Grundidee mit dem Menschen, der unwissentlich in einer Fernsehserie auftritt, findet sich in abgewandelter Form auch in Filmen wie "Ralph reichts" wieder, in denen Computerspielfiguren aus den vorgegebenen Rollen ausbrechen. Die Abenteuerkomödie von Regisseur Shawn Levy profitiert davon, dass Guy und die anderen Videospielfiguren als nicht animierte Charaktere eines Realfilms auftreten. Hauptdarsteller Ryan Reynolds wird zum Handlungsträger, der die Naivität und Weltfremdheit seines Charakters Guy spaßig-ironisch zum Glänzen bringt.

Der Anfang des Films, in welchem man an Guys Seite in seine wundersame Welt eintaucht, und auch der nächste Teil, in welchem er mit erwachtem Bewusstsein eigene Gehversuche macht, erweisen sich als besonders witzig. Es macht großen Spaß, Ryan Reynolds dabei zuzuschauen, wie er mit stets fröhlicher Miene in seinem hellblauen Hemd durch Free City geht und nicht hinschaut, wenn um ihn herum das Inferno losbricht. Allein schon diese Hemdfarbe hebt ihn merkwürdig von den kriegerisch-bösen Spielfiguren, den Avataren, ab, denen er bald den Kampf ansagt.

Die Großstadt Free City, in der manches so ordentlich abläuft und dennoch überall das Böse zuschlägt, steckt aufgrund dieses Gegensatzes voller Überraschungen. Der Realfilm ist gespickt mit computergenerierten Elementen, die beispielsweise sichtbar werden, wenn die Programmierer hinter dem Spiel die Architektur verändern. Die parallelen Handlungsstränge im Spiel und in der realen Welt sind nicht ohne Reiz. Die echten Menschen wie Keys, Millie, Antwan und diverse Spieler*innen drücken sich oft in sehr technischer Sprache aus. Im Laufe der vielen Wendungen, in denen Guy sich und seine Leute befreien will und die reale Außenwelt mitmischt, stellt sich ein gewisses Sättigungsgefühl ein. Vielleicht herrschte bei der Produktion die Angst, einem Filmpublikum, das von den visuellen Welten der Videospiele verwöhnt ist, nicht genug zu bieten. Dabei enttäuscht es weniger das Auge als allenfalls den Geist, wenn die Geschichte einen eher biederen Kurs einschlägt.

Fazit: In der Rolle einer harmlosen Videospielfigur, die Bewusstsein und Widerspruchsgeist entwickelt, zieht Hauptdarsteller Ryan Reynolds alle Register seines komödiantischen Talents. Wie der naive, aber zunehmend mutige Nicht-Spieler-Charakter den Avataren auf einmal die böse Schau stiehlt, bereitet spannendes Vergnügen. Die visuelle Gestaltung der Videospielwelt steckt voller gegensätzlicher Reize, denn Free City ist als friedliche Kulisse für zerstörerische Action konzipiert. Während sich in dem Abenteuerfilm von Regisseur Shawn Levy die Welten des Spiels und der Menschen, die dahinter stehen, verzahnen, büßt die wendungsreiche Geschichte einiges von ihrer anfänglichen Pfiffigkeit ein.




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