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Cats
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© Universal Pictures International

Kritik: Cats (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Bühnen-Musical "Cats" von Andrew Lloyd Webber, basierend auf einem Gedichtband von T.S. Eliot, feierte im Jahre 1981 am Londoner West End seine Premiere – und avancierte zu einem weltweiten Hit. 1998 entstand eine Verfilmung, in welcher das Bühnengeschehen mit Kameras eingefangen wurde. Das aktuelle Kino-Spektakel von Tom Hooper ("The King's Speech", "The Danish Girl") verfolgt indes höhere Ziele: Mithilfe der Digital Fur Technology wurde dem Ensemble am Computer ein Fell erzeugt – und als Besetzung wurde ein Mix aus Schauspiel-Koryphäen wie Judi Dench und Ian McKellen, Hollywood-Stars wie Idris Elba und Jennifer Hudson, Comedy-Persönlichkeiten wie Rebel Wilson und James Corden, angesagten Pop-Größen wie Taylor Swift und Jason Derulo sowie jungen Talenten wie Francesca Hayward und Laurie Davidson gewählt.

Bereits die ersten Trailer bescherten dem Projekt reichlich Spott; insbesondere die CGI-Effekte wurden ins Lächerliche gezogen und als gruselig bezeichnet. Auch die Kritiken fielen letztlich recht vernichtend aus. Wer hingegen ein Faible für Camp hat, wird an "Cats" gewiss viel Vergnügen finden. Denn während Hoopers Musical-Adaption "Les Misérables" (2012) denkbar konventionell und bieder geriet, ist seine Katzen-Show eine herrlich bunte, völlig abgedrehte und bizarre Erfahrung, die gerade deshalb so gut funktioniert, weil Hooper den Stoff so ernst nimmt und man der absonderlichen visuellen Umsetzung ihren extremen Aufwand ansieht. Das Drehbuch, das Hooper gemeinsam mit Lee Hall verfasst hat, bemüht sich, dem Nonsens-Plot so etwas wie einen Rahmen zu geben, kann aber nicht verbergen, dass die Bühnen-Vorlage eine einzige Nummernrevue ist.

Besagte Nummern sind wiederum wunderbar skurril – etwa das Mäuse- und Kakerlaken-Ballett, das Rebel Wilson als Jennyanydots entfacht, oder die Vorstellungen, die das räuberische Duo Mungojerrie und Rumpleteazer (verkörpert von Danny Collins und Naoimh Morgan), der launenhafte Draufgänger Rum Tum Tugger (Jason Derulo) oder der Eisenbahn-Kater Skimbleshanks (Steven McRae) liefern. Die Kulissen, die das London der 1920er Jahre darstellen sollen, sind maximal künstlich; obendrein fallen die Größenverhältnisse zwischen den kleinen Katzen und ihrer Umgebung äußerst inkonsequent aus. Dennoch haben die in Neonlicht getauchten Straßen und Hinterhöfe, die menschenleeren (Milch-)Bars und Theaterräume etwas überaus Charmantes. Die Songs – darunter auch das neue, von Taylor Swift und Andrew Lloyd Webber geschriebene Lied "Beautiful Ghosts" – sind einnehmend; unter den Spielenden, Tanzenden und Singenden bleiben (bei aller vorhandenen Star-Power) vor allem die Primaballerina Francesca Hayward als Victoria und der Mistoffelees-Interpret Laurie Davidson in Erinnerung.

Fazit: Ein ungewöhnliches Kino-Erlebnis – absurd und überbordend. Die Effekte mögen befremdlich sein; doch das Ganze entwickelt seine ganz eigene Faszinationskraft.




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