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Yves Saint Laurent - Berlinale 2014 - v.l.n.r.: Jasna...teanu
Yves Saint Laurent - Berlinale 2014 - v.l.n.r.: Jasna Vavra (Universum), Nikolai Kinski, Dieter Kosslick, Guillaume Gallienne, Wieland Speck, Xavier Lafitte, Charlotte Le Bon, Marie de Villepin, Jalil Lespert, Pierre Niney, Al Munteanu
© Universum Film © Squareone

Berlinale 2014 - Tag 2

Gleich in die Vollen am zweiten Tag: Dramen um Leben und Tod im Wettbewerb, homosexuelle Paare im Panorama.

Im Wettbewerb waren am 2.Tag großartige existentielle Dramen zu sehen. Die französisch-amerikanische Koproduktion "Two Men in Town" ist ein Crime-Drama, dass in dem tristen amerikanischen Grenzgebiet zu Mexiko spielt, einer kargen Wüstenlandschaft, die von hartherzigen Menschen bewohnt wird, welche einem Roman von Cormac McCarthy ("No Country for Old Men") entsprungen sein könnten. Forest Whitaker glänzt in der Rolle von William Garnett, der nach dem Mord an einem Polizisten nach 18 Jahren auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wird. Er hat sich stark verändert und besitzt in seinem neuen muslimischen Glauben eine starke Stütze. Garnett ist fest entschlossen sich ein einfaches, ehrliches, neues Leben mit Familie, Haus und Hund aufzubauen. Eine Frau hat er sogar bereits gefunden. Doch der Sheriff des Ortes (Harvey Keitel) versucht dem einstigen Mörder seines Deputies das Leben möglichst schwer zu machen während ein ehemaliger Verbrecherkollege ihn wieder für seine eigenen Zwecke einspannen will. So wird Garnetts innere Festigkeit auf eine sehr harte Probe gestellt.

Der britische Antikriegsfilm "'71" spielt im selbigen Jahr des Nordirlandkonfliktes in Belfast. Gary ist ein junger britischer Rekrut der, als es bei einem Streifengang zu einer Eskalation kommt, alleine im feindlichen katholischen Gebiet zurückbleibt. Tatsächlich ist sein Leben dort in höchster Gefahr, auch weil die Lage in Belfast selbst für erfahrene britische Militärs vollkommen unübersichtlich geworden ist. Irische Protestanten kämpfen gehen irische Katholiken. Die IRA kämpft gegen die Briten. Junge radikale IRA-Anhänger, kämpfen gegen die alte IRA-Führung. Manche arbeiten heimlich mit den Besatzern zusammen oder vertreten ihre ganz eigenen Interessen. Selten waren Kriegsbilder so hautnah und realistisch inszeniert. Panische Fluchten durch das Gewirr aus Gässchen und Hinterhöfen machen die gehetzte Wahrnehmung und die intensive Angst der Flüchtenden spürbar. Nach und nach verdichtet sich die reduzierte Handlung zu einem Mikrokosmos der absurden Gewalt und zu einem wirklichen Antikriegsfilm, der keine Helden kennt, sondern auf allen Seiten nur Amoral und Verlierer zeigt.

Die Sektion Panorama Special stand dahingegen heute ganz im Zeichen von Dramen zu homosexuellen Beziehungen. Das französische Biopic "Yves Saint Laurent" zeigt am Beispiel der Beziehung des berühmten Modemachers zu seinem lebenslangen Partner Pierre Bergé, dass hinter einem erfolgreichen Mann auch ein starker zweiter Mann stehen kann. Yves ist nur ganz bei sich, wenn er Mode entwirft. Ansonsten ist er extrem schüchtern, arrogant, eitel, egozentrisch, oft gemein, begrenzt belastbar und kaum alltagstauglich. Mal ist er ein Asket, der nur für die Arbeit lebt. Dann kokst, trinkt und feiert er exzessiv und betrügt seinen Partner Pierre. Der lässt zumeist alles stoisch an sich abprallen und konzentriert sich ganz darauf seinen genialen Freund in den praktischen Dingen des Lebens zu unterstützen. "Yves Saint Laurent" ist ein schöner Film, der das Biopic zwar nicht neu erfindet, aber einige interessante eigene Akzente setzt.

Das US-Drama "Love Is Strange" erzählt von dem homosexuellen Paar Ben und George, das nach 39 gemeinsamen Jahren die neue Gesetzgebung im Staat New York nutzt, um zu heiraten. Dabei haben sie jedoch nicht bedacht, dass George an einer katholischen Schule arbeitet - die ihm aufgrund der Eheschließung auch prompt kündigt. Neben dieser unverhohlenen Form der Diskriminierung, zeigt der Film jedoch auch die etwas subtileren Formen, in denen sich die Homophobie einer nach außen immer großen Wert auf political correctness legenden Gesellschaft zeigt. So gilt der Begriff "schwul" als Schimpfwort und ein Vater gerät in Panik bei dem Verdacht, dass sein Sohn homosexuell sein könnte. Ruhig und unaufgeregt inszeniert, punktet der Film vor allem mit seinen hervorragenden Hauptdarstellern Alfred Molina und John Lithgow, denen man das gemeinsam gealterte, aber immer noch liebevolle Paar jederzeit abnimmt.

Kein echter Durchhänger am ersten Tag nach der Eröffnung. Ein durchgehend starkes Programm, das Lust auf das noch Kommende macht.





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