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Skyfall - Hauptplakat
Skyfall - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: Skyfall (2012)


Wenn du deinen Weg im Wald nicht mehr zu sehen vermagst, kehre an den Anfang zurück! So lautet ein altes Sprichwort. Gewissermaßen scheint dies auch für Bond Nummer 23 zu gelten. Vor ein paar Jahren wollten die Verantwortlich die literarische Figur Ian Flemings fürs 21. Jahrhundert neu erfinden. 007 sollte härter, physischer, kompromissloser werden. Weniger Frauenflüsterer, denn so etwas geht in politisch korrekten Zeiten überhaupt nicht, und mehr Soldat im Smoking sein. Filme, wie die der Bourne-Reihe, die das Agentengerne in den letzten Jahren umgekrempelt hatten, waren sicherlich nicht unschuldig an dem angestrebten Imagewechsel.
Überraschend gut kam denn auch "Casino Royal" an, auch wenn nunmehr Bond ohne Q und Moneypenny auskommen musste und M. weiterhin, wie schon zu Zeiten von Pierce Brosnan, von einer Frau (Judi Dench) verkörpert wurde. Bereits schon der Nachfolger, "Quantum of Solace", offenbarte, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, einer klar definierten Figur eine Abspeckkur nach der anderen zu verordnen, ohne dass sie am Ende ihre Seele einbüßt. Ein glattpolierter, ironiebefreiter und nicht umtriebiger Bond ist nun mal kein Bond mehr.

Back to the roots heißt es also in "Skyfall", um nicht der Beliebigkeit zu verfallen. Zu Beginn muss sich Bond (Daniel Craig) allerdings mit dem Tod auseinandersetzen. Und diesmal ist es zur Abwechslung einmal der eigene: Während einer Mission in Istanbul trifft ihn friendly fire, er stürzt von einer alten Eisenbahnbrücke hinab in einen Fluss, mitten zwischen wunderschönen Bergpanoramen und taucht erst mal ab, während der MI6 ihn für tot hält und M. seinen Nachruf verfasst. Derweil alle noch halb betäubt sind und M. von ihrem Chef (Ralph Fiennes) der Ruhestand nahegelegt wird, attackiert ein anderer verlorener Sohn den MI6 und hat es auf niemand geringeres als M. persönlich abgesehen. Da trifft es sich gut, dass Bond beschließt aus dem Totenreich zurückzukehren, wo er sich mit Frauen und der Flasche ganz gut über die Zeit tröstete. Er ist zwar leicht beschädigt, aber bereit für Königin und Vaterland seine Pflicht zu erfüllen. Ist das nicht herrlich? Ein versoffener, durch die Betten kopulierender und leicht angeknackster Bond, der wenn es darauf ankommt, trotzdem in jeder Situation seinen Mann steht? Es ist geradezu unerklärlich warum diese Charakteristika dieser Ikone der Männlichkeit zuvor beinahe wegrationalisiert wurden. Dass diese Überstilisierung wenig mit der Realität des Durchschnittsmannes gemein hat, steht ohnehin außer Frage. Es geht schlichtweg um die Illusion. Batman geht schließlich auch nicht im Jogginganzug mit Pfefferspray und Haftbefehl auf Verbrecherjagd. Wenn unsere Zelluloidhelden aufhören Larger than Life zu sein, was bleibt dann noch?

Sam Mendes, der das Regiezepter von Marc Forster erbte, liefert mit "Skyfall" den wohl persönlichsten Bond aller Zeiten ab. Der Held wird an seine Wurzeln zurückgeführt, heim nach Schottland und M. muss sich zugleich den Dämonen stellen, die sie einstmals selbst erschuf. Das führt geradewegs zum Psychopathen, der diesmal sein Unwesen treiben darf und kongenial von Javier Bardem gegeben wird. Nach seinem Auftritt in "No Country for Old Men" mit Günter-Netzer-Gedächtnisfrisur zeigt er sich diesmal blondiert und mit einer Tolle, um die ihn Elvis persönlich beneidet hätte. Mit dem jungen Ben Wishaw als neuen Quartiermeister Q bewegt sich "Skyfall" dann noch weiter in Richtung Tradition. Wobei es im digitalen Zeitalter wohl unvermeidbar war, Q mit einem Hitech-Nerd zu besetzen. Wishaw schlägt sich aber durchaus wacker, angesichts der ganzen Prominenz. Knappe zweieinhalb Stunden bleiben dennoch nicht ohne ein paar Längen aus. Glücklicherweise zieht sich Mendes Inszenierung aber am eigenen Schopfe wieder aus einem Durchhänger in der Mitte heraus und präsentiert sich insgesamt als durchaus kurzweilig, spannend und atmosphärisch; vor allem aber, als sehr schön retro. So sehr sogar, dass Sean Connerys klassischer Aston Martin noch einen Auftritt bekommt. Und selbst die feine Ironie, die Süffisanz die früher immer ein Markenzeichen war, findet dezent einen Platz im neuen Film.

Fazit: Es brauchte drei Filme um Bond wieder zu dem zu machen, was er immer war. Das wäre auch einfacher gegangen. Sei es drum: "Skyfall" ist ein Bond, wie er auch die älteren Fans versöhnen wird, und Craig war noch nie zuvor so nah dran am Nimbus des einzig wahren Bond.




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