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Die Unfassbaren - Now You See Me - Hauptplakat
Die Unfassbaren - Now You See Me - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Die Unfassbaren - Now You See Me (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Die Unfassbaren – Now You See Me" zeigt einmal mehr, wo die Wurzeln der Kinokunst zu finden sind. Eine magische Aura und das Moment der Illusion haben das Filmschaffen seit jeher umweht und ganze Heerscharen an Regisseuren dazu veranlasst, sich mit der Herkunft des Mediums intensiv auseinander zu setzen. Dabei sind im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Werke entstanden, man denke nur an Christopher Nolans cleveres Verwirrspiel "Prestige – Die Meister der Magie" (2006) oder Martin Scorseses wundersam-berührende Hommage "Hugo Cabret" (2011).

Kino und Magie bilden eine Einheit, die nur schwer zu trennen ist und gerade heute, im Zeitalter fast unbegrenzter technischer Möglichkeiten, große Strahlkraft besitzt. Genau in diese Kerbe schlägt auch "Die Unfassbaren", der als actionreiche Mischung aus Thriller und Heist-Movie daherkommt und mit einem beachtlichen Darsteller-Ensemble aufwarten kann. Der Action- und Blockbuster-erprobte Franzose Louis Leterrier ("The Transporter", "Der unglaubliche Hulk", "Kampf der Titanen") legt von Anfang an ein schwungvolles Inszenierungstempo hin. Ohne Umschweife werden die vier Hauptfiguren mit ihren jeweiligen Eigenschaften vorgestellt und recht bald durch ein geheimnisvolles Treffen zusammengeführt.

Einen ersten effekthaltigen Höhepunkt setzt Leterrier mit der gigantischen Las-Vegas-Show, die auf den unmöglich erscheinenden Bankraub hinausläuft und die "Four Horsemen" als wahre Meister der Inszenierung etabliert. Schnelle Schnitte, dynamische Kamerabewegungen und funkelnde Scheinwerfer kreieren eine überwältigende Atmosphäre und unterstreichen, wie sehr der französische Regisseur an einer möglichst ausgeklügelten visuellen Darstellung interessiert ist. Nicht umsonst wurden für die Produktion gleich zwei Kameramänner mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen engagiert. Während einer der beiden für die rasanten Actionszenen verantwortlich zeichnete, war der andere mit den komplexen Illusionssequenzen betraut.

Viel Zeit zum Luftholen lässt der Film nicht, denn mit dem Auftreten des Ermittlergespanns Rhodes/Dray bekommt das ohnehin temporeiche Geschehen eine zusätzliche Dynamik. Zielstrebig steuert die Handlung auf den zweiten Höhepunkt zu: eine Show in New Orleans, die mit einer bösen Überraschung für den schwerreichen Unternehmer Tressler endet. Der selbstsichere Gönner muss am eigenen Leib erfahren, was es heißt, sich mit Illusionskünstlern einzulassen, die nicht nur das Publikum begeistern wollen, sondern auch eine Art Robin-Hood-Mentalität praktizieren. Die an dieser Stelle hervortretenden Anspielungen auf die verheerenden Folgen des Hurrikans Katrina sind freilich oberflächlicher Natur. Ein ernsthaft-politischer Kommentar ist keineswegs intendiert, dafür versteht sich der Film zu sehr als großes Überwältigungskino.

Die ambivalente Faszination, die seit jeher von Illusionisten ausgeht, findet in der Figur des Ex-Zauberers Thaddeus Bradley eine inhaltliche Entsprechung. Obwohl er die "Four Horsemen" für ihr Geschick bewundert, ist er doch entschlossen, ihre Tricks zu enthüllen. Eine Haltung, die in gewisser Weise auch für das zweigeteilte Interesse des Zuschauers gilt. Einerseits sind wird begeistert über die unerklärlichen Zaubereffekte, wollen gleichzeitig aber auch hinter den Vorhang blicken können. Dieses Bedürfnis befriedigt der Film unter anderem kurz nach der Las-Vegas-Show, wenn Bradley den ermittelnden Polizisten und damit auch dem Publikum erklärt, wie der Bankraub durchgeführt wurde. Illusionsbrüche dieser Art tun der Wirkung des Ganzen jedoch keinen Abbruch, schließlich werden sie durch die immer neue Wendungen abgefedert.

Angesichts all der illusorischen Geschütze und Finten, die Leterrier und seine Drehbuchautoren auffahren, geraten die handelnden Figuren leider ein wenig in den Hintergrund. Die vier Magier bleiben zumeist auf die im Prolog festgelegten Rollen beschränkt und haben abseits ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten so nur wenig Raum zur persönlichen Entfaltung. Darüber hinaus ist die finale Wendung der Geschichte durchaus diskussionswürdig. Hier wird die zu Anfang aufgeworfene Frage aufgelöst, wer die vier Zauberkünstler zusammengeführt hat. Es sei dahingestellt, ob die Offenbarung nun Sinn ergibt oder als billiger Trick erscheint. Im Grunde verweist sie einmal mehr auf die zuvor präsentierten Strategien des Films. Denn was sind Illusionen anderes als perfekt ausgeklügelte Konstruktionen, die den Zuschauer hinters Licht führen sollen? Eine umfassende Täuschung dürfte daher keine allzu große Überraschung sein.

Fazit: "Die Unfassbaren – Now You See Me" bietet mitreißendes, visuell bestechend in Szene gesetztes Illusionskino, das mit immer neuen Wendungen überraschen kann, bisweilen etwas selbstverliebt erscheint und auf einen sicherlich nicht alle Zuschauer gleichermaßen überzeugenden Twist hinausläuft.




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