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The Return of the First Avenger
The Return of the First Avenger
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: The Return of the First Avenger (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"The Return of the First Avenger" ist nicht nur das Sequel zu "Captain America", sondern auch der neunte Teil der fortlaufenden Marvel-Spielfilmreihe, die 2008 mit "Iron Man" ihren Anfang nahm. Gerade im Vergleich mit den anderen Werken des aufwändigen Comic-Franchise fiel der erste Auftritt des patriotischen Cape-Trägers eher bescheiden aus. Weder trauten sich die Macher, ihren äußerst streitbaren Protagonisten konsequent in die Gegenwart zu versetzen. Noch konnte das im Zweiten Weltkrieg angesiedelte Actionspektakel erzählerisch überzeugen. Gute Voraussetzungen für eine Fortsetzung sehen wahrlich anders aus. Und doch dürfte das zweite Abenteuer des amerikanischen Supersoldaten so manchen Skeptiker positiv überraschen.

Nachdem Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans) gemeinsam mit den Avengers die Welt vor einer Alien-Invasion bewahrt har, zieht es ihn zurück nach Washington, wo er unversehens in eine groß angelegte Verschwörung gerät. Nick Fury (Samuel L. Jackson), Leiter der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., wird Ziel eines heimtückischen Anschlags, der mit einem streng vertraulichen Regierungsprogramm in Verbindung zu stehen scheint. Gemeinsam mit Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), auch bekannt als Black Widow, versucht Rogers, Licht ins Dunkel zu bringen, und muss dabei erstaunt feststellen, dass Furys Behörde von feindlichen Kräften unterwandert wurde. Eine tödliche Gefahr lauert im Herzen der Friedenszentrale, deren Führung nach dem Attentat der einflussreiche Alexander Pierce (Robert Redford) übernommen hat. Bei ihren weiteren Nachforschungen kreuzen Captain America und Black Widow schließlich den Weg des skrupellosen Winter Soldiers.

Angelehnt an das Verschwörungskino der 1970er Jahre, entfaltet sich im Sequel ein spannungsgeladener Handlungsverlauf, der immer wieder ungeahnte Wendungen nimmt und sich damit wohltuend vom recht durchschaubaren Vorgänger unterscheidet. Auch wenn die Schatten der Vergangenheit bis in den neuen Teil hineinreichen, ist das Ganze nun viel deutlicher in der Jetzt-Zeit verankert. Nicht umsonst spielen hochaktuelle Themen wie Totalüberwachung und umfassende Sicherheit eine zentrale Rolle und verleihen dem Film fast so etwas wie politische Aussagekraft. Als kleiner Besetzungscoup erweist sich vor diesem Hintergrund die Verpflichtung von Altstar Robert Redford, der zu Hollywoods Vorzeigelinken zählt, hier allerdings einen zwielichtigen Machtmenschen verkörpert.

Anders als 2011 gelingt in "The Return of the First Avenger" auch der Spagat zwischen atemberaubend-dynamischen Actionsequenzen und ruhigeren Passagen, in denen die Figuren zusätzliches Profil erlangen. Vor allem zu Beginn nehmen sich die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely ausreichend Zeit, um die Anpassungsschwierigkeiten des Titelhelden an die moderne Welt zu unterstreichen. Lange Jahre im ewigen Eis eingefroren, hat Rogers viele wichtige Entwicklungen verpasst und tut sich dementsprechend schwer mit der hektischen und unübersichtlichen Gegenwart. Vorteilhaft ist darüber hinaus, dass dem Protagonisten dieses Mal mit Natasha Romanoff eine selbstbewusste Partnerin zur Seite steht, die um keinen Spruch verlegen ist und eigene Akzente setzen darf. Eine erotische Spannung liegt zwar mehrfach in der Luft, wird erfreulicherweise aber nicht konkretisiert. Freundschaft und Vertrauen zählen mehr als eine konventionelle romantische Beziehung.

Das Bemühen um eine differenziertere Charakterzeichnung zeigt sich auch am Beispiel des mysteriösen Winter Soldiers, der anfangs wie eine psychopathische Killermaschine auftritt, mit zunehmender Dauer jedoch eine eigene, fast tragisch anmutende Geschichte erhält. Gut und Böse sind keineswegs so eindeutig voneinander abgegrenzt, wie es zunächst den Anschein hat. Komplettiert wird das interessante Figurenensemble durch S.H.I.E.L.D.-Leiter Nick Fury, der sich als warnender Mentor profilieren kann, und den unverzichtbaren Helfer Sam Wilson alias Falcon (Anthony Mackie) in seinem ersten Auftritt auf der großen Leinwand. Angereichert ist das unterhaltsame Geschehen mit einigen treffsicheren Pointen, die bei all der Dramatik für die nötige Auflockerung sorgen. Sicherlich nicht zuletzt ein Verdienst der Sitcom-erprobten Regisseure Anthony und Joe Russo, die den Superhelden-Blockbuster erstaunlich gut im Griff haben.

Fazit: Prägnante Figuren, eine spannende und wendungsreiche Story, eindrucksvolle Actionsequenzen und eine Prise Humor – "The Return of the First Avenger" besitzt alles, was einen gelungenen Superhelden-Film ausmacht, und stellt so seinen höchstens mittelmäßigen Vorgänger spielend leicht in den Schatten.




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