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Kritik: Deadpool 2 (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) ist zurück. Und auch im zweiten Teil geht das nicht ohne derbe Tiefschläge, abgetrennte Gliedmaßen und eine gehörige Portion Selbstironie ab. Wenn Superman der moralisch integre Ritter und Batman der dunkle Ritter mit moralischen Bedenken ist, dann ist Deadpool ein amoralischer Wegelagerer, der sein Publikum mit spätpubertären Späßen und makabrer Gewalt hinterrücks überfällt. In der Fortsetzung entdeckt er nun jedoch sein Gewissen. Schließlich handele es sich bei "Deadpool 2" um einen "Familienfilm", lässt der Protagonist sein Publikum gleich zu Beginn aus dem Off wissen. So augenzwinkernd das zunächst rüberkommt, am Ende stellt es sich als wahr heraus.

Vor zwei Jahren brachte "Deadpool" ordentlich Würze in den faden Superheldenquark und bescherte seinem scharfzüngigen, politisch stets äußerst unkorrekten Titelhelden einen Überraschungserfolg. Obwohl oder gerade weil der Film in den USA erst ab 17 Jahren freigegeben war, spielte er an den heimischen Kassen 360 Millionen, weltweit beinahe 800 Millionen US-Dollar ein.

Das war vor allem Schauspieler Ryan Reynolds zu verdanken, weil der darauf pochte, die deftige Comicvorlage für eine Leinwandadaption nicht zu verwässern. Und Reynolds selbst hatte seinen ersten missglückten Ausflug ins Superheldenuniversum mit "Green Lantern" (2011) damit endlich ausgebügelt. Das gute Ergebnis forderte eine Fortsetzung. Doch ist der erste Teil überhaupt zu toppen? Und tun die Produzenten den Fans damit einen Gefallen?

Die Antwort ist: ja und nein. Wie schon im Vorgänger ist die Handlung Nebensache. Für eine Laufzeit von knapp zwei Stunden passiert erschreckend wenig. Vor allem in den ersten 30 Minuten merkt man "Deadpool 2" die schwere Bürde an. Beim Versuch, noch abgedrehter und überdrehter als Teil eins zu sein, erstarrt die Fortsetzung beinahe in Formelhaftigkeit. Nach einem fulminanten Auftakt, der in eine an "James Bond" angelehnte Titelsequenz samt Song von Céline Dion (!) mündet, geht kaum noch etwas voran.

Der Film verheddert sich in umständlich geschriebenen Erzählsträngen, verschleppt ordentlich das Tempo und verzettelt sich in augenzwinkernden Anspielungen. Statt frisch und aufregend wirkt vieles abgestanden. Vor allem das permanente Spiel mit der Illusion, wenn Deadpool die vierte Wand durchbricht und das Kinopublikum direkt adressiert, ist anbiedernd und bemüht.

Wie schon im Vorgänger bringt Ryan Reynolds die Rettung. Es macht einfach ungemein Spaß, ihm in seiner Paraderolle als rüpelige Rampensau bei der Arbeit zuzusehen. Mit unbändiger Spielfreude und viel Charisma hangelt sich Reynolds über den zähen Anfang hinweg, bis "Deadpool 2" schließlich doch noch ordentlich Fahrt aufnimmt und gegen Ende ein wahres Feuerwerk an einfallsreicher Action und ordentlichen Pointen abfeuert.

Neben den von Regisseur und Ex-Stuntman David Leitch ("John Wick", "Atomic Blond") gewohnt souverän in Szene gesetzten Verfolgungsjagden und Kämpfen, ist es ein Riesenspaß, wie "Deadpool 2" das Superheldengenre süffisant bis abgrundtief zynisch in seine Einzelteile zerlegt. Wie hier eine Heldentruppe zusammengestellt und postwendend ultrabrutal über den Jordan geschickt wird, ist dreist, bitterböse, vor allem aber konsequent. Eben diese Konsequenz lässt der Film ganz am Schluss dann allerdings vermissen. Mit seinem Happy End ist er eben doch der angekündigte Familienfilm, wenn auch ein ganz spezieller.

Fazit: Political Correctness ist nicht seine Sache. Auch in seinem zweiten Kinoabenteuer ist Anti-Superheld Deadpool respektlos, zynisch, brutal und extrem unterhaltsam. Der böse Bube mit dem losen Mundwerk und der schmutzigen Fantasie kommt dieses Mal allerdings nur äußerst schwer in die Gänge, bekommt aber letztlich doch noch die Kurve. Wer "Deadpool" mochte, macht auch mit dessen Fortsetzung nichts falsch.




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