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Der Junge muss an die frische Luft
Der Junge muss an die frische Luft
© Warner Bros.

Kritik: Der Junge muss an die frische Luft (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Der Junge muss an die frische Luft" ist nicht der erste Film, der auf einem Kerkeling-Buch basiert. Zuvor erwies sich bereits die filmische Adaption von Kerkelings millionenfach verkauftem Reisebericht "Ich bin dann mal weg" als Kassenschlager. Verfilmt wurde "Der Junge muss…" von Caroline Link. Ihren Durchbruch feierte die Bad Nauheimer Filmemacherin mit dem Drama "Nirgendwo in Afrika", das 2003 mit einem Oscar prämiert wurde. "Der Junge muss…" ist Links erster Film seit 2013 und wurde in Berlin, Bayern und im Ruhrgebiet gedreht.

Caroline Link liefert uns zum Jahresende noch eine der erfrischendsten, sympathischsten Tragikomödien des Filmjahres 2018. Dass der gekonnt und ausgewogen zwischen Heiterkeit, Schwermut und hemmungslosem Optimismus changierende Film so gut funktioniert, liegt zu einem Großteil an seinem jungen Hauptdarsteller. Der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten neunjährige Julius Weckauf – der sich in einer deutschlandweiten Casting-Aktion gegen hunderte Bewerber durchsetzen konnte – ist als junger "HaPe" schlicht eine Wucht.

Angefangen von der rheinisch-deftigen Mundart über die herrlichen Sänger- und Schauspieler-Parodien (u.a. Roy Black) bis hin zum facettenreichen Spiel mit Gestik und Mimik: all das beherrscht das Naturtalent problemlos. Und spielt auf diese Weise gestandene Charaktermimen wie Joachim Król oder Hedi Kriegeskotte glatt an die Wand. Wie der intelligente, hochsensible Junge seine immer weiter ins dunkle Schattenreich der Depression abgleitende Mutter mit Sketchen und Scherzen aufzuheitern versucht, geht ans Herz. Trotz aller Tragik und obwohl Link die prägenden Erlebnisse jener Zeit (der Suizid der Mutter, der Tod von Oma Änne) nicht verschweigt, ist "Der Junge muss…" bei weitem kein sentimentaler, überzogen melancholischer Film. Eine positive Grundstimmung und Frohsinn überwiegen.

Zu guter Letzt lebt der Film von seiner glaubhaften Ausstattung und den realistischen Kulissen, die die frühen 70er-Jahre wiederauferstehen lassen. Mehr noch: Er nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zurück in die beschaulich-lauschige, ein wenig angestaubte aber stets "heile" Welt eines guten, alten Ruhrpott-Haushalts. Die Familie hält zusammen, komme was wolle, und am Samstagabend sitzt man generationenübergreifend vor der Mattscheibe und schaut "Disco" mit Ilja Richter oder "Dalli Dalli" mit Hans Rosentahl. Es sind einfache aber hart arbeitende, ehrliche Menschen und kauzige Typen, die hier im Mittelpunkt stehen und HaPe’s Familie auszeichnen.

Fazit: Bewegende, aber nie zu rührselige Tragikomödie über die Kindheit des Entertainers Hape Kerkeling, die von einem phänomenalen Jungdarsteller profitiert und die frühen 70er-Jahre auf authentische Weise zum Leben erweckt.




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