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Salma Hayek: Abrechnung mit "Monster" Harvey Weinstein

Sexuelle Belästigung am "Frida"-Arbeitsplatz

(14.12.2017) Update
Seit Anfang steht Harvey Weinstein im Kreuzfeuer von vielen Frauen, die den Produzenten der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung anklagen. Die Vorwürfe haben die Karriere des 65-Jährigen beendet und die "#metoo"-Bewegung ausgelöst: Viele Frauen und Männer aus der Unterhaltungsindustrie haben sich inzwischen getraut, ihre teilweise seit Jahrzehnten unterdrückten Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt öffentlich zu machen und dabei weitere Karrieren wie die von Kevin Spacey beendet. Weinstein drohen auch strafrechtliche Konsequenzen.

Vorgestern hat sich mit Salma Hayek eine weitere Aktrice getraut, ihre Erfahrungen mit Weinstein zu veröffentlichen. In einem Aufsatz für die "The New York Times" beschreibt die Mexikanerin detailliert, wie Harvey in einer Mischung aus Avancen, sexueller Belästigung, Drohungen und Widerstand 2001 die Produktion zu "Frida", den Hayek produzierte und in dem sie die Titelrolle übernommen hatte, zu einem Spießrutenlauf machte.

Unter der Überschrift "Harvey Weinstein Is My Monster Too" beschreibt die Darstellerin, wie sie mit Wünschen und Forderungen des Studiochefs konfrontiert wurde, die sie allesamt ablehnte: "Ich sagte nein dazu, mit ihm zu duschen. Nein dazu, dass er mich beobachtet, wie ich dusche. Nein, mich von ihm massieren zu lassen. Nein, mich von einer nackten Freundin von ihm massieren zu lassen. Nein, mich von ihm oral befriedigen zu lassen. Nein, nackt mit einer anderen Frau zu posieren."

Als sie all dies abgelehnt habe, begann Weinstein mit Drohungen, die bis zu dem Ausspruch "Ich werde dich töten, glaube nicht, dass ich das nicht kann!" gereicht haben sollen. Die Dreharbeiten zu Hayek's Herzensprojekt über die mexikanische Malerin habe er dann mit scheinbar unerfüllbaren nachgereichten Forderungen zu torpedieren versucht. Salma schreibt: "Ich sollte das Drehbuch ohne zusätzliche Bezahlung umschreiben. Ich sollte selbst 10 Millionen Dollar auftreiben, um den Film zu finanzieren. Ich sollte einen bekannten Regisseur finden. Ich sollte vier der kleinere Rollen mit prominenten Schauspielern besetzen."

Der damals 35-Jährigen, die erstmals einen Kinofilm produzierte, "gelang es zu jedermanns Verwunderung, nicht zuletzt meiner eigenen", die Forderungen zu erfüllen - dank einer "Reihe von Engeln, die zu meiner Rettung eilten, darunter Edward Norton, der das Drehbuch wunderbar einige Male umschrieb und dafür himmelschreienderweise nie im Vorspann genannt wurde, und meine Freundin Margaret Perenchio, eine erstmalige Produzentin, die das Geld bereit stellte. Die brillante Julie Taymor erklärte sich bereit zu inszenieren, und wurde von da an mein Fels in der Brandung. Für die anderen Rollen rekrutierte ich meine Freunde Antonio Banderas, Edward Norton und meine liebe Ashley Judd. Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, wie ich Geoffrey Rush überredet habe, den ich zu jener Zeit kaum kannte."

Das mäßigte den Zorn von Weinstein keineswegs, sondern fachte ihn weiter an. Er versuchte die Dreharbeiten zu behindern und erpresste Hayek zu einer "sinnlosen Nacktszene mit einer anderen Frau" mit der Drohung, die Dreharbeiten sonst abzubrechen. "An diesem Drehtag habe ich zum ersten und letzten Mal in meinem Leben einen Nervenzusammenbruch gehabt", schreibt die Mimin.

Die Drohgebärden endeten nicht mit Drehschluss, und Julie Taymor musste sich dem Studioboss entgegen stellen. Harvey meinte, der Film sei zu schlecht für eine Kinoauswertung und er werde ihn daher nur auf Disc veröffentlichen. Das konnte verhindert werden; Weinstein stellte als Hürde allerdings auf, dass "Frida" bei einer Testaufführung von den Zuschauern mit wenigstens 80 Punkten bewertet werden müsse - eine hohe Hürde. Als das Drama das erreichte, wütete der Produzent in der Lobby, schmiss mit den Bewertungskarten nach der Regisseurin und drohte dem einschreitenden Komponisten Elliot Goldenthal mit physischer Gewalt.

Schlussendlich erhielt "Frida" gute Kritiken, spielte bei einem Budget von 12 Millionen Dollar weltweit 56 Millionen Dollar ein und wurde für sechs Oscars nominiert, von denen er 2003 zwei gewann: Für die Musik von Goldenthal und die "Beste Maske". Salma war als "Beste Hauptdarstellerin" nominiert. "Aber ich sah nie irgendwelche Freude bei Harvey", schreibt die Schauspielerin. "Erst Jahre später, als wir uns zufällig trafen, meinte er zu mir: 'Das mit 'Frida' hast Du gemacht, wir haben einen wunderbaren Film gedreht.'"

Salma Hayek schlussfolgert aus den bisherigen gehörten Geschichten, dass das Problem grundsätzlich in den völlig ungleichen Machtverhältnissen zwischen Frauen und Männern in der Filmindustrie begründet liegt - sowohl vor als auch hinter der Kamera: "Unsere Stimmen sind nicht willkommen - und da fragen sich manche, warum wir nicht früher gehört worden sind."

(09.10.2017) Harvey Weinstein aus eigener Firma gefeuert

Erdbeben in Hollywood! Harvey Weinstein, Produzent und gemeinsam mit seinem Bruder Bob Mitbegründer von The Weinstein Company, ist gestern aus seiner eigenen Firma gefeuert worden. Der vierköpfige Vorstand - ein Drittel der Vorstandsmitglieder war da bereits aus Protest gegen Weinstein zurückgetreten - ließ gestern erklären: "Im Lichte neuer Informationen über das Fehlverhalten von Harvey Weinstein, die in den vergangenen Tagen aufgekommen sind, haben die Vorstandsmitglieder der The Weinstein Company beschlossen und Harvey Weinstein dahingehend informiert, dass seine Anstellung mit sofortiger Wirkung beendet wird."

Diesem Knall gingen Tage heftiger Geschäftigkeit in dem 2005 gegründeten Filmstudio in New York City voraus. Während der Vorstand den 65-Jährigen drängte zurückzutreten, ihn am Freitag suspendierte und anwies, nicht mehr am Arbeitsplatz zu erscheinen, weigerte sich der Produzent, genau dies zu tun. Die Filmgesellschaft, die sich um ihren Ruf und die zukünftigen Aussichten, Stars für ihre Projekte gewinnen zu können, sorgte, reagierte statt mit einer gütlichen Einigung und einer Abfindung deshalb mit dem Rauswurf.

Hintergrund sind Veröffentlichungen der "New York Times", die letzte Woche aufgedeckt hat, dass Harvey seit Jahrzehnten - also auch schon zu seiner Zeit bei der Disney-Tochter Miramax Films - außergerichtliche Einigungen mit weiblichen Angestellten und Geschäftspartnern getroffen hatte, um Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung aus dem Weg zu räumen. Als nun noch die Schauspielerin Ashley Judd Vorwürfe erhob, Weinstein habe sich ihr unangemessen zu nähern versucht, brachte dies das Fass zum Überlaufen. Am Wochenende traten seine Anwältin Lisa Bloom und sein Berater Lanny Davis zurück, ebenso - wie erwähnt - ein Drittel des Vorstands.

Zunächst hatte Harvey in einer Stellungnahme Fehlverhalten in der Vergangenheit eingeräumt und Besserung gelobt. Doch der berüchtigt cholerische Weinstein schien diese Beschwichtigungslinie nicht durchhalten zu können. Schon kurz darauf ließ er über seine Anwälte erklären, er werde die "New York Times" wegen der "verleumderischen Berichterstattung" verklagen.

Derweil wagten sich am Wochenende weitere Frauen mit unappetitlichen Geschichten über ihre Erfahrungen mit dem Produzenten an die Öffentlichkeit. Schauspieler wie Lena Dunham, Brie Larson, Seth Rogen und Regisseur Judd Apatow verurteilten Harvey öffentlich und stellten sich hinter die Anklägerinnen.

Harvey Weinstein hält 20 Prozent der Aktienanteile an seiner Firma, die nun erst einmal von seinem Bruder Bob und dem Leitenden Geschäftsführer David Glasser geführt wird.

(11.10.2017) Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow: Vorwürfe gegen Harvey Weinstein
Aus dem am Wochenende ausgebrochenen Sturm rund um eine der mächtigsten Figuren Hollywoods hat sich ein veritabler Orkan entwickelt. Der aus seiner eigenen Produktionsgesellschaft gefeuerte Harvey Weinstein sieht sich immer neuen Vorwürfen nun auch prominenter Schauspielerinnen wie Heather Graham, Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow gegenüber, während Mimen wie Meryl Streep, George Clooney, Colin Firth und Ben Affleck sich von dem Produzenten distanziert oder ihn kritisiert haben. Die Hoffnungen des 65-Jährigen, die Ende vergangener Woche über die "New York Times" bekannt gewordenen Anschuldigungen, die von Ashley Judd untermauert wurden, aussitzen zu können, erweisen sich als unrealistisch. Die Zeitung meldet nun, dass Weinstein auch Mira Sorvino und Roseanna Arquette belästigt sowie Asia Argento und zwei weitere Frauen sogar vergewaltigt zu haben. Die Karriere des umstrittenen Produzenten scheint unwiederbringlich zu Ende zu sein und seine Frau hat angekündigt, sich von ihm scheiden zu lassen.

Heather Graham schilderte gestern in einem Beitrag des Branchenblattes "Variety", wie Harvey ihr Anfang der nuller Jahre indirekt das Angebot gemacht habe, ihr eine Rolle gegen Sex anzubieten und sie bei anderer Gelegenheit versucht habe, sie auf sein Hotelzimmer zu locken, was sie vermieden habe. "Das war das Ende dieser Begegnung - ich wurde nie für einen seiner Filme engagiert, und ich habe nicht über meine Erfahrung gesprochen. Erst als Ashley Judd vor ein paar Tagen ihre Geschichte bewunderswerterweise geteilt hat, schämte ich mich", schreibt Graham. "Wenn ich mich vor über einem Jahrzehnt bemerkbar gemacht hätte, wäre dann zahllosen anderen Frauen solche oder schlimmere Erfahrungen wie meine erspart geblieben?"

Parallel meldeten sich Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow in der "New York Times" zu Wort. "Ich hatte in meiner Jugend eine schlechte Erfahrung mit Harvey Weinstein", erinnerte sich Jolie an eine Begegnung im Rahmen der Aufführung von "Playing by Heart" 1998, "und habe deshalb entschieden, nie mehr mit ihm zusammen zu arbeiten, und habe andere gewarnt, wenn sie es taten. Dieses Verhalten Frauen gegenüber ist in jedem Lebensbereich und in jedem Land inakzeptabel."

Gwyneth Paltrow schilderte ebenfalls eine sexuelle Belästigung durch Weinstein während der Produktion von "Shakespeare in Love" 1998, der versucht habe, sie zur Massage zu überreden. Sie habe ihrem damaligen Freund Brad Pitt davon berichtet, der daraufhin den Produzenten zur Rede gestellt habe. Pitt hat diese Schilderung der Zeitung gegenüber nun bestätigt. Paltrow erklärt: "Wir sind an einem Zeitpunkt, wo Frauen eine klare Botschaft aussenden müssen, dass das vorbei ist. Diese Art, Frauen zu behandeln, endet jetzt."

Die Vorfälle, die jetzt bekannt werden, reichen drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen soll sich Harvey außergerichtlich geeinigt haben.



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