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Django Unchained

Userwertung 9/10
US-Spaghettiwestern-Homage von Quentin Tarantino: Sklave Django hilft dem Kopfgeldjäger Dr. King Schultz einen Auftrag zu erledigen und wird dafür von Schultz befreit. Gemeinsam nehmen die beiden Männer fortan auf Verbrecherjagd. Daber verliert Django allerdings nie sein Ziel aus den Augen: Er möchte seine versklavte Frau Broomhilda befreien...
Django Unchained - Hauptplakat Sony PicturesDjango Unchained - Teaser Plakat Sony PicturesDjango Unchained - Teaser Plakat Sony PicturesDjango Unchained - Dr King Schultz Christoph Waltz l und Django Jamie Foxx r Sony PicturesDjango Unchained - Django Jamie Foxx l und Dr King Schultz Christoph Waltz r Sony PicturesDjango Unchained - Dr King Schultz Christoph Waltz l und Django Jamie Foxx r Sony Pictures
Inhalt
  • Der deutschstämmige Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (CHRISTOPH WALTZ) verfolgt die Spur der mordenden Brittle-Brüder, und nur der Sklave Django (JAMIE FOXX) kann ihn ans Ziel führen. Der unorthodoxe Schultz sichert sich Djangos Hilfe, indem er ihm verspricht, ihn zu befreien, nachdem er die Brittles gefangen genommen hat – tot oder lebendig. Nach erfolgreicher Tat löst Schultz sein Versprechen ein und setzt Django auf freien Fuß. Dennoch gehen die beiden Männer nicht getrennte Wege. Stattdessen nehmen sie gemeinsam die meistgesuchten Verbrecher des Südens ins Visier. Während Django seine überlebensnotwendigen Jagdkünste weiter verfeinert, verliert er dabei sein größtes Ziel nicht aus den Augen: Er will seine Frau Broomhilda (KERRY WASHINGTON) finden und retten, die er einst vor langer Zeit an einen Sklavenhändler verloren hat. Ihre Suche führt Django und Schultz zu Calvin Candie (LEONARDO DiCAPRIO). Candie ist der Eigentümer von „Candyland“, einer berüchtigten Plantage. Als Django und Schultz das Gelände der Plantage unter Vorgabe falscher Identitäten auskundschaften, wecken sie das Misstrauen von Candies Haussklaven und rechter Hand Stephen (SAMUEL L. JACKSON). Jede ihrer Bewegungen wird fortan genau überwacht, und eine heimtückische Organisation ist ihnen bald dicht auf den Fersen. Wenn Django und Schultz mit Broomhilda entkommen wollen, müssen sie sich zwischen Unabhängigkeit und Solidarität, zwischen Aufopferung und Überleben entscheiden…
Awards, Auszeichnungen und Preise
Filmkritik
  • Die Verbundenheit Quentin Tarantinos zum Western im Allgemeinen und dem Italo-Western im Besonderen war seinen Filmen stets anzusehen. Nun hat er diesem Genre mit „Django Unchained“ eine erzählerisch überraschend konventionelle, inhaltlich dafür aber umso mutigere Referenz erwiesen. Stilistisch ist die Nähe zum Western in den Kameraeinstellungen, hektischen Zooms und Schnitten bereits zu erkennen, daneben erweist er mit der Titelfigur Django (gespielt von Jamie Foxx) insbesondere Sergio Corbuccis Film aus dem Jahr 1965 seine Referenz – und natürlich hat Franco Nero auch einen Gastauftritt. Dabei zeigt vor allem die rohe Gewalttätigkeit Tarantinos Rückbindung an das Genre: Quälend lange werden Auspeitschungen und Bestrafungen gezeigt, dagegen nimmt sich das explosive blutige Finale fast schon angenehm rasant aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Western – oder Southern – spart Quentin Tarantino die brutale Seite der Sklaverei nicht aus, sondern zeigt dessen blutiges Gesicht.

    Trotz einer Laufzeit von 165 Minuten unterhält „Django Unchained“ gut. Die Geschichte hat einige Wendungen, wenngleich Tarantino erzählerische Experimente meidet, sondern nahezu stringent von Djangos stetig wachsender Rache-Kompetenz erzählt. In nur wenigen, dafür umso anrührenderen Rückblenden wird seine Vergangenheit und seine große Liebe zu Broomhilda geschildert, die aber im Gegensatz zu anderen Frauenfiguren bei Quentin Tarantino kaum eigene Stärke entwickelt. Vor allem überzeugt „Django Unchained“ in den bekannten Tugenden Tarantinos. Es gibt starke Dialoge, viel makaberen Humor, einen sehr guten Soundtrack und eine gute Besetzung.Jamie Foxx besticht als düsterer Sklave Django, der die Chance auf Rache bekommt. Christoph Waltz knüpft fast nahtlos an „Inglourious Basterds“ an und spielt eine gute Version von Hans Landa. Leonardo DiCaprio überzeugt als schmieriger Südstaaten-Plantagenbesitzer Calvin Candle und selbst in Nebenrollen wissen Don Johnson und Jonah Hill kleine Akzente zu setzen. Die größte Überraschung und das größte Wagnis ist aber Samuel L. Jackson in der Rolle des intriganten Haussklaven Stephen. An dieser Figur zeigt sich die Perversität der Sklaverei nicht durch Brutalität, sondern durch devote Heuchelei und Intriganz, mit der Stephen sich seinem Besitzer Calvon Candle ebenbürtig fühlen mag, aber stets dessen Besitz bleibt. Kaum erkennbar hinter der Maske des Alters verschwindet Samuel L. Jackson in dieser Rolle und spielt die schwierigste Figur des gesamten Films, die Quentin Tarantino bereits den Vorwurf des Rassismus eingebracht hat.

    Insgesamt ist „Django Unchained“ ein guter Film, mit dem Quentin Tarantino an „Inglourious Basterds“ anknüpfen kann. Dennoch bleibt am Ende des Gefühl, dass eine Weiterentwicklung des Regisseurs fehlt und die Chance vergeben wurde, mehr als nur einen mit Referenzen gespickten Genrefilm zu drehen. Fraglos bewegt sich Tarantino auf überdurchschnittlichem Niveau und spielt virtuos mit der Filmgeschichte und Popkultur. Doch es fehlt eine weiterführende Position, die über einen Kommentar hinausgeht. Fazit: Mit starken Dialogen, makabren Humor, einer guten Besetzung und überzeichneter Brutalität ist „Django Unchained“ ein typischer Tarantino-Film, der trotz seiner beträchtlichen Laufzeit nicht langweilt.

    Sonja Hartl

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Userkommentare
8martin vom 27.01.2013
Tarantino ist eine großartige Huldigung an den guten, alten Spaghetti-Western gelungen. Auf Schritt und Tritt assoziiert man Querverbindungen mit dem ?Lied vom Tod?. Nicht nur bei den musikalischen Übernahmen von Ennio Morricone. Auch der Woodstock-Veteran Richie Havens berührt immer noch mit seinem Schrei nach ?Freedom?. Lange Kameraeinstellungen mit Slow-Mo und viel verspritztem Tomatensaft verdeutlichen die emotionale Schlagkraft dieses Rachedramas, das durch exzessive Folterszenen schockiert. Wir Deutschen spielen nicht nur wegen Christoph Walz als Dr. King Schultz eine bedeutende Rolle: es sind z.B. Namen wie ?Broomhilda? oder die nordisch variierte Siegfried-Sage. Walz ist überhaupt der überragende Akteur dieses Films, dem es gelingt durch seinen abgehobenen, etwas gespreizten Sprachgebrauch eine Distanz zum brutalen Kopfgeldjäger-Geschäft herzustellen. So verleiht leise Komik dem Geschehen eine zusätzliche Qualität. Daneben beeindruckt Leonardo diCaprio, der den geschäftstüchtigen, herzlosen Südstaaten-Macho sehr differenziert darstellt und von Jetzt-auf-Gleich vom liebenswürdig-schleimigen Geschäftsmann zum bestialischen Monster werden kann, beraten vom alten Stephen (Samuel L. Jackson beeindruckt als Typ).
Das große Thema ? neben der Liebesgeschichte ? ist natürlich die Sklaverei. Eines der häufigsten Worte ist ?Nigger?. Bei uns sollen ja Kinderbücher vom Wort ?Neger? gesäubert werden. Die Verwendung bereitet Tarantino offenbar keine Probleme. Großartig, historisch, oscarwürdig.


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