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Alita: Battle Angel
Alita: Battle Angel
© 20th Century Fox

Kritik: Alita: Battle Angel (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Auch Kinovisionäre können sich nicht jeden Wunsch erfüllen. Obwohl er liebend gerne die Adaption der Manga-Serie "Battle Angel Alita" als Regisseur betreut hätte, musste der im Zuge seiner Fortsetzungsplanungen für "Avatar – Aufbruch nach Pandora" zeitlich zu stark gebundene James Cameron die Inszenierung letztlich seinem Kollegen Robert Rodriguez ("Sin City 2: A Dame to Kill For") überlassen. Als Drehbuchautor und Produzent blieb der Kanadier dem ambitionierten Science-Fiction-Projekt allerdings erhalten.

"Alita: Battle Angel" – so der Titel der Verfilmung – spielt im Jahr 2563, einige Zeit nach einem verheerenden Krieg, der den Planeten in ein Ödland verwandelt hat. Menschen aus allen Teilen der Welt kämpfen im Schmelztiegel-Moloch Iron City ums Überleben. Und nicht wenige sehnen sich danach, in die über ihren Köpfen schwebende Himmelsstadt Zalem zu gelangen. Auf einem gigantischen Schrottplatz entdeckt der Kybernetik-Experte Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) eines Tages den Kopf eines weiblichen Cyborgs, dem er zu Hause einen neuen Körper verpasst. Nach erfolgreicher Wiederbelebung tauft er das Maschinen-Mädchen (als Hommage an die Manga-Vorlage mit irritierend großen Kulleraugen: Rosa Salazar) in Gedenken an seine ermordete Tochter auf den Namen Alita und bemüht sich, fortan seine Schöpfung von allen Gefahren in Iron City fernzuhalten. Die wissbegierige junge Frau hingegen, die sich an ihrer früheres Dasein nicht erinnern kann, will ihre Umgebung erkunden und herausfinden, wer sie war. Auf der Straße lernt Alita den sympathischen Hugo (Keean Johnson) kennen und staunt nicht schlecht, als sie begreift, dass sie eine uralte Kampfkunst beherrscht. Schon bald gerät sie ins Visier böser Zeitgenossen.

Überzeugend – wenn auch nicht bahnbrechend – ist zweifelsohne der futuristische, wuchtige Wimmelort Iron City, der in bester "Blade Runner"-Manier unzählige Cyberpunk-Elemente bereithält. Schauwerte bekommt das Publikum in größerem Umfang geboten. Und auch einige der nicht gerade zimperlichen Actionszenen wissen in ihrer Dynamik und ihrer Intensität zu gefallen. Torpediert werden die guten Ansätze jedoch durch ein – freundlich ausgedrückt – unausgereiftes Drehbuch, das aus der Feder von James Cameron und Laeta Kalogridis ("Shutter Island") stammt.

Das Potenzial für eine packende Emanzipationsgeschichte ist zweifellos vorhanden. Allein die Macher sind nicht bereit, die Facetten von Alitas Identitätssuche konsequent zu erforschen. Ärgerlich ist vor allem, dass eine kitschige, mit schwülstigen Dialogen beschworene Romanze zunehmend größeres Gewicht bekommt und die Auseinandersetzung der Titelheldin mit ihrer Vergangenheit dadurch in den Hintergrund gerät. Erzählerisch misslungen wirkt vor allem das letzte Drittel, in dem sich ein Ereignis denkbar holprig an das nächste reiht.

Für Enttäuschung dürfte außerdem die viel zu oberflächlich ausgelotete Beziehung zwischen Alita und ihrem Schöpfer sorgen. Das durchscheinende Frankenstein-Motiv und die mitunter übergriffige Hilfsbereitschaft Idos bieten sich eigentlich für einen Blick in Abgründe an. Und doch bleibt der Roboter-Doktor gefangen in einer blassen, netten Ziehvaterrolle, die Oscar-Preisträger Christoph Waltz nur wenig abverlangt. Ähnlich unterfordert ist Jennifer Connelly, die als Dysons Ex-Frau Chiren und als Handlangerin von Alitas Gegenspieler Vector (Mahershala Ali) fast keinen Entfaltungsraum erhält. Absolut unverständlich, da ihr Verhältnis zu Ido und ihr Schmerz über den Tod der gemeinsamen Tochter durchaus Material für einen spannenden Charakterbogen geliefert hätte. Rundum fesselndes und emotional ergreifendes Science-Fiction-Kino braucht mehr als große Bilder – das wird beim Anblick der Manga-Verfilmung "Alita: Battle Angel" wieder mal sehr deutlich.

Fazit: Opulentes Zukunftsspektakel, dessen Drehbuch zu viel Stückwerk bietet, um sich nachhaltig ins Gedächtnis des Zuschauers einzubrennen.




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