VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Neues Bilbo-Poster für The Hobbit
Neues Bilbo-Poster für The Hobbit
© 2014 Warner Bros. Ent. Inc. All Rights Reserved

Kritik: Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es ist ein endgültiger Abschied. Das dürfte jedem Zuschauer spätestens bei den Abspannbildern bewusst werden, wenn das von Billy Boyd (Pippin-Darsteller in den "Herr der Ringe"-Filmen) gesungene Lied "The Last Goodbye" erklingt und unüberhörbar melancholische Töne anschlägt. Die "Hobbit"-Trilogie, basierend auf einem beliebten Kinderbuch von J. R. R. Tolkien, biegt auf die Zielgerade ein. Noch einmal darf das Publikum eintauchen in die fantasievolle, atemberaubende Welt von Mittelerde. Einen Ort, den der neuseeländische Regie-Großmeister Peter Jackson bereits zu Beginn dieses Jahrtausends mit seinen "Herr der Ringe"-Adaptionen unzähligen Kinogängern schmackhaft machen konnte. Selbst denen, die Tolkiens Werke nicht gelesen hatten. Eine Rückkehr nach Mittelerde scheint vorerst ausgeschlossen, da die Erben des britischen Schriftstellers die Rechte an weiteren Stoffen halten und sich über Jacksons Ring-Interpretationen nicht gerade begeistert zeigten.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht schlecht. Immerhin sorgten die ersten beiden "Hobbit"-Blockbuster, anders als noch die "Herr der Ringe"-Verfilmungen, nicht nur für Begeisterung. Unverständlich war von Anfang, warum Jackson und seine Mitstreiter beschlossen, ein bloß 300 Seiten (je nach Ausgabe variierend) starkes Kinderbuch als gigantischen Dreiteiler aufzuziehen, wo doch die Geschichte bei weitem nicht das epische Ausmaß der Ring-Erzählung erreicht. Teil eins irritierte dann auch mit einigen Längen, manch dümmlichem Kalauer und Ausschmückungen, die nicht immer vollends überzeugten. Im zweiten Kapitel bewegte sich Jackson deutlicher auf die Düsternis seiner ersten Tolkien-Trilogie zu. Sowohl im Hauptstrang als auch in kleinen Nebenhandlungen, die als Wegbereiter der Ring-Ereignisse dienten (und in diesem Ausmaß nicht im Ursprungsroman enthalten sind). Mit "Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere" findet der Brückenschlag zu den "Herr der Ringe"-Blockbustern nun seinen großen Abschluss.

Humor wird nur noch in überschaubaren Dosen verabreicht, und die Verspieltheit des Reihenauftakts ist wie weggeblasen. Stattdessen dominiert eine grimmige Atmosphäre, die schon in den Einstiegsszenen zum Ausdruck kommt. Vor nachtschwarzem Hintergrund werden wir Zeuge, wie der rasende Smaug (Originalstimme und Mimik: Benedict Cumberbatch) brandschatzend über Seestadt hinwegfegt und den Ort in Schutt und Asche legt. Ein mitreißender Beginn, der uns auf die kommenden 144 Minuten vorbereitet. 144 Minuten, die prall gefüllt sind mit ausgedehnten Schlachtsequenzen, grandiosen Landschaftsaufnahmen (noch immer eindrücklich!) und exquisiten CGI-Effekten. Spektakelkino in Reinform also, das überwältigen will und überwältigen kann. Nicht zuletzt dank opernhafter Musikuntermalung von Altmeister Howard Shore, der schon für die Ring-Filme im Einsatz war.

Titelheld Bilbo (Martin Freeman) darf zunächst noch recht aktiv in die überschaubare Handlung eingreifen, wandelt sich allerdings schrittweise zu einem staunenden Beobachter, der keine entscheidenden Akzente mehr setzten kann. Dass der liebenswerte Hobbit zunehmend aus dem Fokus gerät, ist vor allem auf die gesteigerte Bedeutung zurückzuführen, die Jackson und seine Koautoren dem Zwergenkönig Thorin Eichenschild (Richard Armitage) beimessen. Seine Goldgier und sein Größenwahn, die ihn beim Anblick der unermesslichen Schätze im Einsamen Berg befallen, werden mehrfach thematisiert, was durchaus verständlich ist, da sie die Kriegsbereitschaft der Seestadt-Bewohner und Elben überhaupt erst heraufbeschwören. Thorins Gefolgsleute wiederum bleiben, wie in den vorangegangenen Teilen schon, äußerst blass (mit Ausnahme vielleicht von Kili, dessen Liebe zur Elbin Tauriel der Film weiter verfolgt). Das gilt auch für einige Nebenstränge, die im letzten Drittel recht hastig abgeschlossen werden und daher ohne großen Nachhall bleiben. Wer über derartige Unzulänglichkeiten und die manchmal etwas prätentiösen Ausschmückungen hinwegsehen kann, die endgültig den Bogen zu den "Herr der Ringe"-Werken schlagen, darf sich bei "Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere" auf kurzweilig-spektakuläre Fantasy-Unterhaltung freuen.

Fazit: Der letzte Teil der "Hobbit"-Trilogie rückt noch näher an die Stimmung der "Herr der Ringe"-Filme heran, ohne allerdings deren epochale Strahlkraft zu erreichen. Nichtsdestotrotz liefert Peter Jackson einmal mehr mitreißendes Überwältigungskino, das neben grandiosen Landschaftsaufnahmen auch allerhand atemberaubende Actionsequenzen zu bieten hat. Gleichwohl macht sich bemerkbar, dass die Streckung der recht schmalen Buchvorlage nicht unbedingt sinnvoll war.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.