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Glass
Glass
© Universal Pictures International

Kritik: Glass (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Schon kurze Zeit nach "Unbreakable" (2000) äußerte M. Night Shyamalan, dass er sich eine Fortsetzung seiner Mischung aus Charakter-Drama und Superhelden-Hommage vorstellen könnte. 18 Jahre aber mussten vergehen, bis Shyamalan den Film drehen konnte, der ihm teils schon unmittelbar nach "Unbreakable" vorschwebte. Dazwischen realisierte der Inder "Split", der sich mit fast 300 Millionen Einspielergebnis zu einem seiner erfolgreichsten Filme entwickelte. Nach "Unbreakable" und "Split" beendet "Glass" damit die Superhelden-Saga von Shyamalan. Die Dreharbeiten fanden von September bis Dezember 2017 in Philadelphia statt. Das Budget lag bei rund 20 Millionen US-Dollar.

Shyamalan führt mit kontrollierter und stringenter Erzählweise sowie einem hochklassigen Cast die Erzählstränge der ersten Filme in "Glass" auf befriedigende, stimmige Weise zusammen. Alles läuft auf die Begegnung der drei Hauptfiguren in der psychiatrischen Anstalt hinaus, weshalb sich der Filmemacher auch nicht allzu lange mit Vorgeplänkel aufhält. In den ersten rund 25 Minuten des Films liegt das Hauptaugenmerk auf Dunn, der mit seinem Sohn eine Sicherheitsfirma betreibt. Und: auf den Begegnungen zwischen Dunn und dem Psychopathen Crumb.

Erstmals treffen die Zwei zufällig auf der Straße aufeinander, ohne jedoch miteinander zu sprechen oder sonst in Kontakt zu treten. Sie laufen nur kurz aneinander vorbei. Das zweite Aufeinandertreffen inszeniert Shyamalan als dringlichen, körperbetonten Kampf, der von der Polizei jäh unterbrochen wird. Im Folgenden spielt sich nahezu der gesamte restliche Film in der Anstalt ab. Die Szenen in der Einrichtung sind geprägt von den Psychospielchen des Mr. Glass (der sein erstes Wort erst nach der Hälfte der Laufzeit von sich gibt) sowie vom sich teils im Sekundentakt vollziehenden Wechsel der Persönlichkeiten im Körper von Crumb. Daraus ergibt sich eine ganz eigene, unterschwellige und bedrohliche Stimmung, der man sich nur schwer entziehen kann – und die durch das famose Spiel der Darsteller noch unterstützt wird.

Allen voran McAvoy als schwer gestörter Gewaltverbrecher liefert nach "Split" abermals eine darstellerische Tour-de-Force und lässt tief in seelische Abgründe blicken. Gut ist zudem, dass Syhamalan durchaus auch auf Action und CGI setzt, all dies aber gekonnt und reduziert einsetzt. Die Effekte sehen glaubwürdig aus und vermitteln eine hohe Authentizität, nehmen aber – im Vergleich etwa zu den bombastischen Marvel-Superheldenfilmen – nie zu viel Raum ein. Am Ende erweist sich der Filmemacher als konsequenter, fast schon radikaler Erzähler, wenn alle drei Figuren auf ihre größte Ängste treffen und er sie in Momenten bzw. in Situationen zeigt, in denen sie am verwundbarsten sind: nach Knochenbrüchen, unter Wasser und im Angesicht der Liebe.

Fazit: Überzeugendes, in sich geschlossenes Schlusskapitel einer ungewöhnlichen Superhelden-Trilogie, ausgestattet mit großartigen Darstellern und realistischen Effekten.




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