VG-Wort

oder
1917
1917
© Universal Pictures International

Kritik: 1917 (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Auf einer Mission, die sie zwingt, einem anderen britischen Regiment einen lebensrettenden Brief zu überbringen, geraten zwei junge englische Soldaten tief hinein in die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Der britische Regisseur Sam Mendes ("James Bond 007: Skyfall") wurde zu diesem Kriegsfilm von den Erzählungen seines Großvaters inspiriert, der als 19-Jähriger am Ersten Weltkrieg in Frankreich teilgenommen hatte.

Der Wettlauf der Soldaten gegen die Zeit und den überall außerhalb der Schützengräben lauernden Tod zeigt exemplarisch die Verheerungen dieses industriell geführten Krieges. Mendes ließ den Film so drehen, dass die von Roger Deakins geführte Kamera die Hauptfiguren ständig begleitet. So soll der Eindruck eines in Echtzeit und wie in einer einzigen Einstellung gedrehten Films entstehen. Dadurch werden die Zuschauer sehr unmittelbar ans Geschehen herangeführt.

Die Odyssee der beiden jungen Soldaten führt sie zunächst ins Niemandsland mit seinen Explosionskratern, dem schlammig braunen Boden und den verkohlten Baumstämmen. Schofield verletzt sich die Hand am Stacheldraht, später greift er mit ihr versehentlich in eine verwesende Leiche. Überall liegen tote Soldaten. Die jungen Männer schauen nach vorne und versuchen, diese Eindrücke zu verdrängen. Später kommen sie an ein verlassenes Gehöft mit einem Obstgarten, in dem die Kirschbäume weiß blühen – eine absurd anmutende Szenerie inmitten des Wahnsinns des Krieges. Oft läuft die Kamera mit den Protagonisten durch die Schützengräben, lässt die Enge sichtbar und spürbar werden, in der Soldaten dort lange ausharren mussten.

Besonders George Mackay beeindruckt als der emotional zurückhaltende Schofield, der im Laufe dieser Mission schwer geprüft wird. Anfangs zögert und zweifelt er, aber die Ereignisse lassen ihn über sich hinauswachsen. Manche Actionszenen sind äußerst spannend, zum Beispiel jene, in der sich einer der Protagonisten an einer zerstörten Brücke über den Fluss entlanghangelt und dabei unter Beschuss gerät.

Stets sind die Schauplätze atmosphärisch sehr aussagekräftig. Eine bleierne Last der Trostlosigkeit legt sich aufs Gemüt des Betrachters. Schon aus purer Erschöpfung fängt einer der Kuriere einmal hemmungslos zu weinen an. Und doch verteidigt er unbeirrt das Prinzip der Hoffnung, die nicht nur seine eigene ist.

Fazit: Der Regisseur Sam Mendes beschert dem Kinopublikum eine intensive Begegnung mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Die Kamera von Roger Deakins heftet sich eng an zwei junge britische Soldaten, die einem anderen Bataillon eine wichtige Botschaft überbringen sollen. So entsteht der Eindruck einer in einer einzigen Einstellung gefilmten Handlung, die das Erleben der Charaktere angesichts von Todesgefahr und Zerstörung eindrücklich vermittelt. Die Action lässt den Irrsinn des Krieges spüren, die Schauplätze beeindrucken atmosphärisch und die Charakterzeichnung wirkt trotz der aus der Situation geborenen heldenhaften Züge geerdet.




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