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Kritik: Kaiserschmarrndrama (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die auf den Regionalkrimis von Rita Falk basierenden Verfilmungen zählen seit Jahren zu den größten einheimischen Kinoerfolgen, vor allem in Bayern. Die ersten fünf "Eberhofer"-Filme lockten rund drei Millionen Zuschauer in die Kinos. Alles begann 2013 mit dem ersten Film, "Dampfnudelblues". Bis heute folgten fast jährlich fünf weitere Krimis um den kauzigen Dorfsheriff. Gedreht wird seit jeher in Frontenhausen im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau, in München und Landshut.

Eine gute Nachricht für alle Eberhofer-Fans: Nach dem eher schwachen Teil "Sauerkrautkoma" von 2018 kann "Kaiserschmarrndrama" die hohe Qualität des unmittelbaren Vorgängers, "Leberkäsjunkie", halten. Dieser Film verfügte über eine ausgewogene Mischung aus temporeicher Inszenierung, urbayerischem Klamauk, pointierten Dialogen und einem spannenden Kriminalfall. Dasselbe trifft auf "Kaiserschmarrndrama" zu, lediglich der Aufklärung des Mordfalls und den Ermittlungen schenkt Regisseur Ed Herzog etwas weniger Beachtung.

Dafür gesellt sich eine gehörige Portion Gesellschafts- und Sozialkritik hinzu, Stichwort "Gentrifizierung". Denn Eberhofers Vater Franz (großartig wie immer: Eisi Gulp) wehrt sich auf ganz besondere Weise gegen den Bau einer Doppelhaushälfte direkt neben dem heimischen Bauernhof: Er "besetzt" den Baukran mittels eines in der Luft hängenden Zelts und vergegenwärtigt auf diese Weise den Protest des einfachen Landvolks gegen die "bourgeoise Scheißhütten". Eine augenzwinkernde Hommage an die Besetzungen von Waldgebieten und die radikalen Protestaktionen der Umweltaktivisten, die uns fast wöchentlich in den Nachrichten begegnen.

Es fällt zudem auf, dass "Kaiserschmarrndrama" seinen Schwerpunkt mehr denn je auf die privaten Widrigkeiten und Probleme des notorischen Grantlers Eberhofer legt. Das steht dem Film gut zu Gesicht, da einem die ohnehin schon längst an Herz gewachsenen, illustren und schrulligen Charaktere auf diese Weise noch näherkommen. Von Eberhofer-Freundin Susi, die sich insgeheim doch nichts mehr wünscht als ein ruhiges Familienleben zu führen über die wie immer vorzüglich kochende Oma bis hin zu Kollege Rudi, dessen doppelte Beckenfraktur und Milzquetschung ungeahnte Folgen haben. Vor allem für den Protagonisten.

Fazit: Deftige, ungemein vergnügliche Provinz-Posse mit Charme, trockenem Humor und kauzigen Figuren.




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