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Kritik: Titanic (1997)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Traumschiff und Alptraum

Ergreifend, eindrucksvoll, monumental - schon seit Monaten geistern überbordende Rekordsalven um den filmisch wiederaufbereiteten, sagenumwobenen Untergang eines unsinkbar geglaubten Prachtschiffes. Von allen Seiten bricht schon seit Wochen ein unsagbarer Medien- und Werbebalast auf uns ein. Titanicausstellungen, alte Titanicverfilmungen, Titanicsondersendungen und Titanictitelblätter sorgen dafür, daß wir uns einem Mythos dieses Jahrhunderts neuerlich nicht entziehen können, nachdem uns vor gut einem Jahrzehnt die Ortung des ´echten´ Titanicwracks in 3800 Metern Atlantiktiefe in Atem hielt. Um es gleich vorwegzunehmen, James Camerons Reanimation der so faszinierenden Untergangssaga hat all seine enthusiastischen Prädikatsbekundungen bei weitem verdient. Und dennoch werden sämtliche, stenoartig strotzenden Hymnen diesem Film nur im Ansatz gerecht - auch hier und in diesem Fall.

Ergreifend präsentiert sich uns eine Geschichte, wie sie nur aus Hollywood kommen kann, denn nur dort gelingt es doch noch ab und zu, hemmungslose Klischees in ein märchenhaftes Leinwandspektakel münden zu lassen. Auch in "Titanic" führen uns grimmsche Schicksale auf das größte Passagierschiff aller Zeiten. Eine Traumprinzessin, die sich gegen eine Zwangsheirat wehren will, stolziert in die edlen Luxusgemächer. Ein Märchenprinz in Gestalt eines jungenhaften Tagediebs stolpert eigentlich mehr durch Zufall in die spartanischen Kabinen für die weniger Betuchten. Aber nicht lange wird es dauern, bis sich Arm und Reich reichlich in den Armen liegen, bis sie gemeinsam am Schiffsbug verträumt ihre Arme in den Fahrtwind strecken. Und nicht lange wird es dauern, daß die frisch erblühte Zuneigung zu zerbrechen droht. Denn ein schmieriger Nebenbuhler macht Probleme und zuguterletzt wird ein Eisberg zum Problemfall. Doch nichts ist so stark wie die Liebe. Umrahmt von eindrucksvollen Bildkompositionen verkörpern zwei atemberaubende Nachwuchsschauspieler diese Liebe, der man jenen visuellen Rausch schon nach wenigen Augenblicken uneingeschränk gönnt.

Monumental, mit Routine und Präzision inszeniert ein Regisseur das Untergangsinferno, ohne seine Figuren mit action-verliebte Wasserfluten und vernichtenden Katastrophenszenen zu überschwemmen. Das Wasser in James Camerons "Titanic" steigt langsam, es stürzt nicht sofort. Das todbringend kühle Naß kommt unaufhörlich, nicht plötzlich. Nur ein Perfektionist wie Cameron behält hier den Sinn für Maß und Timing, nur zu schnell wäre eine solche Geschichte rettungslos in 200 Millionen Dollar-Noten versunken. "Titanic" ist ein Film, in dem der Zweck die Mittel heiligt, Geldmittel das Endziel nie aus den Augen verloren haben. Und Ziel war vor allem ein märchenhaftes Epos, das nicht zuletzt durch seine Rahmenhandlung in der heutigen Zeit Urängste und Urverlangen hervorruft - Furcht, Respekt vor einer übermächtigen Natur und den Wunsch, die Zeit noch einmal zurückdrehen zu können.




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