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Ganz Hollywood bedauert Robert Downey Jr

Aber Fox TV rückt sachte von ihm ab

Ganz Hollywood bedauert Robert Downey Jr.s scheinbaren Rückfall mit dem Konsum von Kokain. Der Schauspieler, der erst im August nach einem Jahr Gefängnis vorzeitig entlassen wurde, in das er für drei Jahre wegen Drogenmißbrauchs und Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen eingewiesen worden war, schien ein glänzendes Comeback in der Filmmetropole zu feiern. Zunächst ergatterte Downey Jr ("Wonder Boys") sofort die Nebenrolle von Calista Flockharts Freund in der Fernsehserie "Ally McBeal". Der Star wurde für zehn Folgen der Staffel verpflichtet. Zwei davon müssen noch gedreht werden. Mit den bereits ausgestrahlten Episoden begeisterte Robert die Kritiker und verhalf der Serie, an der das Zuschauerinteresse zuletzt abgekühlt war, zu wieder steigenden Einschaltquoten. Zudem erschien der Mime auf dem Titelbild der Zeitschrift "Entertainment Weekly", verhandelte mit Columbia Pictures über die Komödie "America's Sweethearts" und wollte in Los Angeles den "Hamlet" auf der Bühne unter der Regie von Mel Gibson ("Der Patriot") geben. Doch ein anonymer Anruf am Samstagabend bei der Polizei in Palm Springs, Kalifornien hat diese kurze Karriere-Renaissance bis ins Mark erschüttert: "Äh, ja, ich wollte Sie wissen lassen, daß da ein Mann in Zimmer 311 im Merv Griffin Resort ist, der 30 Gramm Kokain und einige Waffen hat und ziemlich durcheinander ist. Danke sehr." Als die Beamten in diesem Hotel eintrafen, ließ Downey Jr. sie ein. Waffen wurden nicht gefunden, aber weißes Pulver in einem braunen Medikamentenfläschchen, das in Kleenax-Tücher eingewickelt war. "Er war sehr kooperativ während der Untersuchung und leistete keinen Widerstand", erklärte Sergeant Don Craiger in einem Interview, "Aber er zeigte Anzeichen, unter dem Einfluß eines Stimulantiums für das zentrale Nervensystem zu stehen." Der Darsteller wurde wegen Drogenkonsums- und besitzes und Verstoßes gegen Bewährungsauflagen festgenommen. Während er auf der Wache war, bat Robert einen Beamten um eine Zigarette, die dieser, wie er nachher der Presse erläuterte, verweigerte, indem er dem Akteur sagte, er wolle ihm keinen Prominentenbonus einräumen. Darauf soll dieser geantwortet haben: "Ich bin jetzt gerade kein Filmstar. Ich bin bloß ein Typ mit einem Drogenproblem." Der örtliche Bürge hinterlegte die angesetzte Kaution in Höhe von 15 000 Dollar für Downey Jr, worauf dieser Sonntagmorgen um halb sieben frei kam. Der Bürge zeigte sich von dem Mimen begeistert und von dessen Unschuld überzeugt: "Sehr netter Kerl, sehr freundlich - und er hatte nichts genommen, er war bloß müde. Der arme Kerl war fix und fertig. Und wenn man sich mit dieser Art Leuten befassen muß - ich weiß, wenn die was genommen haben. Wir haben die uns die Hände geschüttelt, und ein Freund holte ihn ab." "Als ich die Nachricht hörte, war ich tief betroffen", erklärte der Fernsehproduzent Dick Wolf und äußerte sich damit gleich lautend wie viele andere in der Filmbranche. "Er war brillant in Ally McBeal. Das ist eindeutig etwas, worüber er keine Kontrolle hat." Die Vorsitzende von CBS TV Network, Leslie Moonves, meinte: "Ich weiß noch nicht genug über die Situation, um sie kommentieren zu können, aber ich denke, es ist unglücklich. Er ist ein fabelhafter Schauspieler, und ich bedauere, daß er in dieser Situation steckt." Die Frage ist nun, wie es mit Robert Downey Jr. weitergeht. Am 27. Dezember muß er zur Anhörung vor einem Gericht im kalifornischen Indio erscheinen. Unklar ist derweil, ob dem Schauspieler im August seine restliche Haftstrafe zur Bewährung erlassen wurde oder nicht. Die Polizeidienststelle von Palm Springs sagt, man sei bei der Inhaftierung davon ausgegangen, daß Downey Jr. unter Bewährung stehe, andere Quellen sprechen davon, die Strafe sei ohne Auflagen erlassen worden. Im Strafmaß kann das einen großen Unterschied ausmachen: Falls der Akteur noch unter Bewährung stand, können ihm maximal sechs Jahre und acht Monate Gefängnis drohen, ansonsten sind die drei Anschuldigen jeweils mit einem Jahr Haft bedroht, wobei es bei Robert, der wegen seiner Drogenkrankheit seit 1996 dauernd mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, noch etwas mehr werden könnte - im allerschlimmsten Fall also etwa vier Jahre Gefängnis. Ende dieser Woche soll dem Bezirksstaatsanwalt der Polizeibericht zugehen. Alan Nierob, Sprecher des Stars, versicherte am Montag: "Der Vorfall mit Robert Downey Jr in Palm Springs wird den Drehplan von Ally McBeal kein bißchen beeinträchtigen. Robert wird wieder zur Arbeit kommen, wann immer er für diese eingeteilt ist. Er konzentriert sich auf seine Arbeit und sich selbst. Er ist ein genesender Drogenabhängiger. Genesende Drogenabhängige haben Rückfälle. Er arbeitet hart an seiner Abstinenz, wie er es die vergangenen 18 Monate getan hat." Tatsächlich erschien der Mime am Dienstag zur Arbeit an seiner achten von insgesamt zehn vertraglich vereinbarten Folgen von "Ally McBeal". Ob die zwei weiteren Episoden noch realisiert werden können, ist unklar. Von der Produktionsgesellschaft 20th Century Fox gibt es widersprüchliche Signale - Nibelungentreue und ein sanftes Abrücken vom Betroffenen. Ein Sprecher der Fox teilte per Interview mit, die Produktion von "Ally McBeal" gehe weiter, und "wir rechnen damit, daß Robert mit uns bis zur zwölften Folge der Staffel arbeiten wird, wie es in seinem Vertrag steht." Sandy Grushow, die Vorsitzende von Fox TV, fügte auf einer eilends am Dienstag einberufenen Pressekonferenz hinzu: "Niemand hat die Tür hinsichtlich seiner Rückkehr im weiteren Verlauf dieser Saison geschlossen."
Doch bei der Fox Entertainment-Vorsitzenden Gail Berman klang das Ganze schon ein wenig anders: "Wir sind froh, daß Robert wieder am Drehort ist und arbeitet. Wir hoffen natürlich, daß er weiter Teil der Sendung bleibt, und wenn er es bliebe, wäre das wundervoll, und falls nicht, hätten wir Anne Heche, die für drei Folgen als Gaststar dabei wäre. Wir wünschen Robert das Allerbeste, aber es war von Anfang an als begrenztes Engagement geplant. Es ist schade, aber wir haben hier eine Fernsehserie zu produzieren."



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