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The Hateful Eight - Deutsches Hauptplakat
The Hateful Eight - Deutsches Hauptplakat
© Universum Film

Kritik: The Hateful Eight (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach dem furiosen "Django Unchained" ist "The Hateful Eight" der zweite Western in Folge von dem Regisseur, der diesen Film mit dem Hinweis eröffnet, dass dies "der achte Film von Quentin Tarantino" sei. Wem so viel zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein übel aufstößt, der mag hier die wahre Bedeutung des Filmtitels "The Hateful Eight" sehen...

Mit "The Hateful Eight" macht Tarantino erneut überdeutlich, dass er ein Filmemacher ist, der klotzt und nicht kleckert: Fast drei Stunden lang ist bereits die ordinäre Kinofassung, die 70 mm Superpanorama-Roadshow-Version bringt es - inklusive einer obligatorischen 12-minütigen Pause - sogar auf über drei Stunden Länge. Für die Filmmusik wurde kein Geringerer, als Ennio Morricone verpflichtet, dessen Score zu Sergio Leones Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tode" sich in das Hirn eines jeden Western-Aficionados fest eingebrannt hat. Selbstverständlich hat Tarantino für seine "hassenswerten bzw. hasserfüllten Acht" fast ausnahmslos mit Star- und Kultschauspielern wie Kurt Russel, Samuel L. Jackson und Tim Roth besetzt.

Inhaltlich ist "The Hateful Eight" ähnlich minimalistisch, wie einst "Reservoir Dogs". Tarantinos Spielfilmdebüt kam 1992 mit nur zwei Spielorten und einem guten halben Dutzend Ganoven aus. Doch was seinerzeit ein echter Geniestreich war, wirkt anno 2016 reichlich abgeschmackt. Mit seinem Debüt hatte Tarantino bewiesen, dass man auch in Hollywood mit lächerlichen 1,2 Millionen Dollar einen sehr guten Film machen kann, wenn man genügend Kreativität und ein Händchen für die passenden Schauspieler besitzt. Die gleichen Zutaten walzt Tarantino jetzt in "The Hateful Eight" in epischer Länge und (Leinwand-)Breite aus. Das mag man konsequent nennen und sagen, Tarantino habe seinen einmaligen Stil hier zu seiner reinen Essenz verdichtet. Ebenso kann man jedoch mutmaßen, dass dem großen Meister mittlerweile einfach nichts Neues mehr einfällt. Tatsache ist, dass in Tarantinos Filmen spätestens seit "Death Proof" (2007) Ermüdungserscheinungen unübersehbar sind. Mit Ausnahme von "Django Unchained" kann man sogar von einem schleichenden, aber fortgesetzten, Niedergang sprechen.

Das bedeutet nicht, dass "The Hateful Eight" ein schlechter Film ist. Wenn es um das Entwerfen skurriler Charaktere und um das Ausarbeiten eloquent-absurder Dialoge geht, dann macht dem Mann nach wie vor niemand was vor. Das Problem ist, dass dahinter nichts weiter steckt. Und dieses große Nichts hat Tarantino jetzt zu dreistündiger Länge aufgebläht, in denen in der ersten Hälfte konsequent nichts passiert und in der zweiten Hälfte nichts passiert, was man nicht bereits aus anderen Tarantino-Filmen zu genüge kennt. Trotzdem ist zumindest die in der Holzhütte spielende zweite Filmhälfte mächtig unterhaltsam. Aber statt irgendwelcher Fortentwicklungen setzt Tarantino auch hier - wie in vielen schlechten Fortsetzungen von Erfolgsfilmen - auf mehr vom Gleichen:

Statt plötzlicher eruptiver Gewaltausbrüche, gibt es in "The Hateful Eight" grotesk übersteigert eruptive Gewaltausbrüche und statt bewusst politisch inkorrekter Sprüche und Geschichten, bietet der Film absolut grotesk übertriebene politisch inkorrekte Sprüche und Geschichten. Wenn das erste Mal Blutfontänen auf das Gesicht von Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) spritzen ist das relativ komisch, beim zweiten Mal wirkt es bereits leicht abgeschmackt und spätestens beim dritten Mal kann auch der zusätzliche Einsatz von Schädelsplittern und Hirnstückchen nicht verhindern, dass der "Gag" längst nervt. Ebenso ist der Rassismus mit umgekehrten Vorzeichen des schwarzen Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) anfangs lustig. Aber als das Sache in einer grotesk überspitzten Erzählung von einem weißen Südstaatler kulminiert, der von Warren erst stundenlang nackt in Eiseskälte vor sich her getrieben wird, um am Ende die Gnade eines wärmenden Fellatio mit Warrens nach eigener Aussage riesigen und mit dicken Adern überzogenen pulsierenden Geräts zu erhalten, nervt erneut der unübersehbare nackte Wille zur größtmöglichen Provokation. Man stelle sich vor, Tarantino hätte die gleiche Geschichte in umgekehrter Konstellation erzählt: Dann würde jedermann sagen, dass sei nicht witzig, sondern schlicht großer Mist. So ist es aber typisch Tarantino...

Fazit: "The Hateful Eight" erweckt der Eindruck, dass dem Enfant terrible des US-Kinos inzwischen nichts Neues mehr einfällt. Streckenweise ist das nach wie vor sehr unterhaltsam. Aber am Ende bleibt ein Gefühl großer Leere zurück.





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