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Twelve Years a Slave - Plakat
Twelve Years a Slave - Plakat
© Tobis Film

Kritik: 12 Years a Slave (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Twelve Years a Slave" hieß die 1853 erschienene Autobiografie von Solomon Northup. Das Buch, das seinerzeit ein Bestseller war, erzählt, wie Northup als freier Mann im Norden der USA entführt und als Sklave im Süden verkauft wurde. In den Jahren vor dem amerikanischen Bürgerkrieg war das kein Einzelschicksal, denn der Süden brauchte für seine Baumwollplantagen weitere Arbeitskräfte. Der britische Regisseur Steve McQueen nimmt diesen realen Fall zur Vorlage für einen ultraharten Film über die Sklaverei. Die Brutalität und Grausamkeit, mit der Menschen von ihren selbsternannten Besitzern wie Vieh und schlimmer behandelt wurden, wird mit schonungsloser Offenheit ausgebreitet.

Schon kurz nach seiner Gefangennahme wird Solomon geprügelt, bis er am Boden liegt. Später, auf Fords Zuckerrohrplantage, ist er in einer minutenlangen Sequenz mit einem Strick an einem Baum aufgeknüpft. Mit den Zehenspitzen erreicht er gerade noch den Boden und versucht viele Stunden lang, die Balance zu halten. Im Hintergrund gehen andere Sklaven scheinbar unbeteiligt durchs Bild. Sie wissen genau, dass sie etwas Ähnliches erwartet, wenn sie eingreifen. Das Drama wirkt wie ein Lehrbuch darüber, was Sklaverei anrichtet, bei den Opfern wie bei den Tätern. Alle Sklavenhalter, zu denen Solomon kommt, und auch ihre weißen Plantagenaufseher sind kontaminiert von dieser Perversion einer Beziehung. Ein Sklave ist nach Auffassung der insgeheim um ihre Vorherrschaft fürchtenden Weißen immer potenziell gefährlich: Solomon sagt zu seinem eigenen Schutz nicht, dass er lesen und schreiben kann. Und er merkt schnell, dass er mit einem Weißen niemals offen reden soll. Sadismus aber praktizieren besonders heftig Epps und seine Frau Mary (Sarah Paulson). Sie wirken dabei ähnlich gespenstisch wie das Dschungelmoos, das in langen grauen Strähnen überall von den Bäumen in diesem sumpfigen Landstrich herabhängt.

Nicht nur die physische, auch die seelische Grausamkeit wird schonungslos durchdekliniert. Epps stützt sich, wenn er zu seinen Sklaven spricht, gelegentlich posenhaft mit dem Arm auf einem Kopf, einem Körper ab, der stillhalten muss. Chiwetel Ejiofor spielt Solomon als Leidensfigur, die sich beinahe reflexhaft ans pure Überleben klammert. Trotz der beachtlichen Riege renommierter Schauspieler bleibt der Film emotional zu einseitig auf Leid und Elend fixiert. Als müsste er noch zahlreiche Menschen auf der Welt davon überzeugen, wie schrecklich die Sklaverei in den Südstaaten war, wechselt er zwischen reißerischen Szenen und langen Einstellungen, in denen die Figuren grübeln und abgründige Dinge sagen. Sie sind dabei kaum mehr als Marionetten in einem bedrückenden und außerdem bereits bekannten historischen System der Entmenschlichung.

Fazit: Das auf einem wahren Fall basierende Sklavenepos dekliniert besonders drastisch und bedrückend durch, wie die Schwarzen im amerikanischen Süden vor dem Bürgerkrieg unterjocht wurden.





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