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Once Upon a Time...in Hollywood
Once Upon a Time...in Hollywood
© Sony Pictures

Kritik: Once Upon a Time...in Hollywood (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Quentin Tarantinos Liebe für das Kino, das Fernsehen und die Filmstadt Los Angeles schlug sich schon öfters überdeutlich in seinen Regiearbeiten nieder. Sein neues Werk "Once Upon a Time in… Hollywood", mit dessen Titel er sich vor den beiden Sergio-Leone-Meilensteinen "Once Upon a Time in the West" (hierzulande bekannt als "Spiel mir das Lied vom Tod") und "Once Upon a Time in America" (im deutschen Sprachraum veröffentlicht als "Es war einmal in Amerika") verneigt, ist der bislang stärkste Ausdruck seiner unbändigen Leidenschaft für die Welt der bewegten Bildern. In den Blick nimmt der zweifache Oscar-Preisträger Tarantino dieses Mal eine Ära, in der nicht nur die Hollywood-Industrie drastische Veränderungen erlebte, sondern auch die Vereinigten Staaten einem fulminanten, durch die Hippie-Kultur mitbeeinflussten gesellschaftlichen Wandel unterworfen waren.

Im Zentrum des in Cannes uraufgeführten Films steht der Ex-Westernserienstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), der sich im Februar 1969 nach seinen früheren Erfolgen sehnt und mit den Veränderungen innerhalb seiner Branche hadert. Stets an seiner Seite befindet sich sein Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), der gleichzeitig als Mädchen für alles einspringt. Herzstück des Tarantino-Drehbuchs ist die Freundschaft der beiden von DiCaprio und Pitt kernig verkörperten Männer, während der im Vorfeld der Veröffentlichung heiß diskutierte Bezug zu den berühmt-berüchtigten Morden der sogenannte Manson Family lange Zeit nur im Hintergrund durchschimmert. Sharon Tate (Margot Robbie), die im August 1969 von den fanatischen Sektenmitgliedern niedergemetzelte hochschwangere Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski, betritt zwar an unterschiedlichen Stellen die Bühne. Eine ausgefeilte Charakterisierung bleibt ihr allerdings nicht vergönnt, was einige Kritiker dem Film durchaus zu Recht ankreideten.

Freunde klassisch aufgebauter Erzählungen dürften mit "Once Upon a Time in… Hollywood" ihre Mühe haben, da der Regisseur keinen Plot im traditionellen Sinne präsentiert. Vielmehr erweist sich das munter zwischen Fakten und Fiktionen hin- und herpendelnde Starvehikel als opulentes Stimmungsbild und reichhaltiger, mit diversen Anekdoten gespickter Blick hinter die Kulissen des Filmgeschäfts. Die üppige Laufzeit von rund 160 Minuten nutzt Tarantino für viele kleine Schlenker, für liebevolle Anspielungen und Zitate, die begeisterte Kenner der Kino- und Fernsehgeschichte sicherlich verzücken werden.

Mit großer Sorgfalt in puncto Ausstattung und Kostümbild werden die ausgehenden 1960er Jahre rekonstruiert, wobei stets eine nostalgisch-verklärte Note aufscheint. Klug gewählte Musikstücke wirken auf die Atmosphäre ein, kommentieren mitunter das Geschehen. Und wiederholt betören den Betrachter Robert Richardsons elegante Kamerafahrten. Die Dialoge fallen insgesamt weniger raffiniert und spritzig aus, als man es von Tarantino sonst gewohnt ist. Sein Gespür für absurde und packende Momente bricht dennoch immer wieder hervor. Etwa dann, wenn sich Cliff Booth an einem Set einen irrwitzigen Kampf mit Martial-Arts-Legende Bruce Lee (Mike Moh) liefert oder Dalton von einer Kinderdarstellerin (Julia Butters) über die Schauspieltechnik des Method Acting aufgeklärt wird. Handfesten Nervenkitzel erzeugt der Film, als Ricks Stuntdouble eine Anhalterin (Margaret Qualley) im Wagen mitnimmt, die ihn dazu überredet, sie zur Spahn Movie Ranch, dem Lebensmittelpunkt der Charles-Manson-Kommune, zu begleiten. Das von der Hippie-Sekte ausgehende Grauen, das zunächst nur als düstere Vorahnung über den Bildern liegt, nimmt hier konkretere Formen an.

Die bestialischen Morde an Sharon Tate und vier weiteren Personen stehen zwar nicht im Mittelpunkt des Films. Da alles auf die verhängnisvolle Nacht im August 1969 zuläuft, sind sie für den Spannungsaufbau allerdings von größerer Bedeutung. Vor der Cannes-Premiere sah sich Tarantino sogar zu einem Appell an die Journalisten genötigt, die finalen Entwicklungen nicht zu verraten. Schon angesichts des im Titel anklingenden märchenhaften Tons wirkt diese eindringliche Bitte etwas übertrieben. Überhaupt sind die Ideen, die der Maestro in der letzten halben Stunde aus dem Ärmel schüttelt, keineswegs bahnbrechend, sondern hinterlassen vielmehr ein Gefühl der Leere. Tarantinos Umgang mit dem realen Verbrechen ist erwartungsgemäß eigenwillig. Zweifellos haftet ihm aber auch ein bisschen der reißerische Charakter an, der den ebenfalls 2019 veröffentlichten Horrorthriller "The Haunting of Sharon Tate" zu einem primitiv-grässlichen Erlebnis machte.

Fazit: Tarantinos Hommage an das alte Hollywood und die Filmstadt Los Angeles ist optisch, ausstattungstechnisch und darstellerisch gelungen, inhaltlich aber keineswegs frei von Schwächen.




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