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Harry Potter und der Stein der Weisen
Harry Potter und der Stein der Weisen
© Warner Bros.

Kritik: Harry Potter und der Stein der Weisen (2001)


Manchmal wird man im Kino doch noch überrascht. Als die Nachricht herumging, dass gerade Chris Columbus als Regisseur für die "Harry Potter"-Filme engagiert wurde, schwante mir Übles. Der Macher vom "200-Jahre Mann" und "Mrs. Doubtfire", der Kitschkönig Amerikas sollte sich am erfolgreichsten (und wirklich sehr schönen) Hitmärchen Englands von J.K. Rowling versuchen? Ich wurde eines Besseren belehrt, zwar ist es nicht Columbus selbst, der für die Stärken sorgt, er entpuppt sich aber als solider Handwerker und scheinbar guter Koordinator, der die Last der Arbeit sehr gut verteilen kann. Denn es sind die visuellen Künstler, die für ein gelungenes Kinoerlebnis sorgen und selbst die meisten Fans des Buches relativ beglückt zurücklassen dürften. Hogwarts sieht einfach nach einer ultimativen Fantasy-Welt aus! Die Gnome sind gnomischer denn je, der Winter verschneiter und die Landschaft verspielt-schöner, als man es sich hätte im Kino vorstellen können. Die Fahrt mit dem Hogwarts-Express wird so für den Zuschauer zu einem ebensolchen Ereignis, wie für Ron Weasly und Harry selbst. Dank Kameramann John Seale, Cutter Richard Francis-Bruce, Kostümdesignerin Judianna Makovsky und -vielleicht am herausstechendsten- Produktionsdesigner Stuart Craig ("Der englische Patient", "Gandhi") ist Harrys gesamte Zauberer-Welt so detailiert und ausgearbeitet, dass man die Schwäche des Kinos gegenüber Romanen, nämlich die Darstellung dessen, was man sonst selbst in seinem Kopf erfindet, sofort vergisst. Hier weiß man gar nicht, wo man überall hinschauen soll, so viel gibt es in jedem Bild zu sehen. Es ist aber eigentlich Drehbuchautor Steve Kloves, der für den Kern des Funktionierens von "Harry Potter und der Stein des Weisen" sorgt, durch eine wirklich gute und aufgeräumte Adaption des Stoffes. Er führt ohne sichtliche Mühe durch die Story, streicht natürlich manche Charaktere und Szenen weg, ohne dass aber der Kern der Geschichte davon berührt würde. Hier beweist es sich wieder einmal, dass nicht immer der Regisseur, aber sehr häufig der Drehbuchautor für das Gelingen eines Filmes sorgen. Denn Regisseur Chris Columbus kann zwar mit seiner visuellen Crew ein sehr überzeugendes Ergebnis liefern, mit seinen Kinderdarstellern hat er aber (wieder einmal) seine Probleme. Trotz eines wirklich guten Harry Potters (Daniel Radcliffe) sorgen Rupert Grint als Ron manchmal und Emma Watson als Hermine häufiger für Stirnrunzeln. Es ist vor allem ihr klassisches übertriebenes Kinderschauspiel, welches Columbus so gerne von seinen jungen Darstellern fordert, das wie so oft als Atmophäre-Störer fungiert. Hätte er doch an dieser Stelle von Altmeister Steven Spielberg und seiner großen Kinderschauspielführung in "E.T." oder zuletzt erst "A.I." gelernt! Beim großen Finale (man beachte vor allem das großartig umgesetzte Schachspiel!) stört dies aber kaum noch, und vorher wird es durch die blendend aufgelegten erwachsenen Darsteller wieder aufgewogen, bei denen vor allem Alan Rickman als fiesester Prof. Snape, Richard Harris als weisester Dumbledore und John Hurt mit seinem Kurzauftritt als Mr. Ollivander herausstechen. Über ihnen steht nur noch Robbie Coltraine als Riese Hagrid, der wie schon im Buch ein heimlicher Mittelpunkt der Geschichte ist und dies wunderbar ausspielt. Dank all jenen und wenig Kitsch, wie man es bei Columbus kaum erwartet hätte, wird aus "Harry Potter und der Stein der Weisen" ein wirklich unterhaltsamer Film, der den Jüngeren zeigt, wie schön Fantasy und Märchen auch heute noch sind und die Älteren wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehren läßt. Ein wirklich netter Film, trotz des großen Rummels um ihn!




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