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Twilight - Biss zum Morgengrauen
Twilight - Biss zum Morgengrauen

Kritik: Twilight - Biss zum Morgengrauen (2008)


Die dem Film zugrunde liegende Teenie-Vampirromanze ist eines von den Büchern, auf die man sich schlecht einigen kann – während Massen von pubertierenden Mädchen und Hausfrauen im mittleren Alter es abgöttisch lieben, halten andere es für absolut gruselig. Und zwar nicht im positiven Sinn. Je nach Alter, Filmgeschmack und vor allem Geschlecht dürfte auch der Film völlig unterschiedlich aufgenommen werden. Daher folgt hier der Versuch einer Empfehlung für möglichst viele Sparten – wobei die, die den Film mit dem Buch vergleichen, zwangsläufig SPOILER enthalten.

Für alle, die "Twilight" gelesen haben und das Buch lieben, weil...
... es ganz ganz doll romantisch ist, sie in Edward Cullen verliebt sind, die Vampire keine blutrünstigen Monster sondern coole, "vegetarische", gutaussehende und eigentlich total nette Helden mit Spezialfähigkeiten sind, Bella und Edwards Liebesgeschichte die aufregendste seit Romeo und Julia ist, und Stephenie Meyer das blumigste Vokabular seit Denise-Heften auftischt.
"Twilight"-Fans dürfte der Film eigentlich gefallen – er ist atmosphärisch dicht und überwiegend im kühlen Licht der wolkenverhangenenen Wälder von Washington gehalten. Vor allem aber gibt es massenhaft Close-Ups von Robert Pattinsons Gesicht.
Allerdings hat man die Wiesenszene, gewissermaßen das romantische Herz des Romans, arg verschleift: Der Dialog wurde auf andere Szenen verteilt, die Wiese selbst sieht aus wie eine halbherzige Osterdekoration, auf der Edward und Bella dann gerade mal gefühlte drei Sekunden verbringen. Bella stolpert nicht ganz so tollpatschig wie im Buch durch die Handlung und führt außerdem nicht Charlies Haushalt. Enttäuschen dürfte auch einige Fans, dass Schulszenen ausgelassen, beziehungsweise stark abgeändert wurden und dass man Jaspers Fähigkeiten nicht einmal erwähnt. Dafür stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern, Billy Burke gibt einen erstklassigen Charlie ab und die "Kernsätze" sind alle drin. Zudem ist die Handlung mit Vorausdeutungen auf "New Moon" durchsetzt und weitaus actionreicher als im Buch.
Fazit: Für Fans des Buches auf jeden Fall empfehlenswert: Schön anzusehen, atmosphärisch dicht, überwiegend Charaktertreu und mit soliden schauspielerischen Leistungen.

Für alle, die "Twilight" gelesen haben und das Buch hassen, weil...
Bella Swan eine besonders nervtötende Mary Sue ohne jegliche Interessen/Edward ein langweiliger Kontrollfreak und Stalker ist, die ach-so-tragische Liebe zwischen beiden nicht eine Sekunde glaubwürdig erscheint, der Plot äußerst dünn, mit predigenden Untertönen und endlosen kitschigen Adjektiven über Eddies grandiose Schönheit gespickt ist, und die (Haupt-)Vampire schlicht keine Vampire mehr sind.
So furchtbar das Buch, so überraschend nett der Film: Vor allem Kristen Stewart vermag es, Bella tatsächlich als lebendigen Charakter zu etablieren – was ihr allerdings dadurch erleichtert wird, dass sie dank Melissa Rosenbergs Drehbuch wie ein Teenager reden darf, ihrem Vater nicht mehr den Haushalt schmeißt und ihre absurde Tollpatschigkeit auf Unsportlichkeit reduziert wurde. Außerdem hört man natürlich ihre im Buch auf jeder Seite wiederholten Betrachtungen über Edwards Aussehen nicht. Eigenständige Interessen (außer Edward) bekommt Bella allerdings auch im Film nicht.
Robert Pattinson hat dem Buch entsprechend die schwierigere Aufgabe, einen Supermann in Vampirgestalt einigermaßen plausibel zum Leben zu erwecken, was ihm durch ein völlig uneinheitliches Make-up und mittelmäßige Special Effects erschwert wird. Dafür hat man sein patronisierendes Verhalten Bella gegenüber etwas zurückgenommen. Pattinson konzentriert seine Darstellung auf Edwards rätselhaft-intensive Seite, was der Dynamik der beiden auf jeden Fall gut tut. Bellas "Freunde", wenn man sie denn so nennen darf, sind ethnisch diverser als im Buch und allesamt gut besetzt. Zudem rückt Hardwicke statt der Enthaltsamkeitsmessage ganz gewöhnlich teenage angst als Plot Driver ein, zusammen mit Action-Injektionen, die dem Buch bis zum Schluss völlig fehlen. Dennoch ziehen sich einige Szenen im Mittelteil, die vor allem von rührseligen Dialogen bestimmt sind, genau wie im Roman endlos hin.
Fazit: Die Hauptdarsteller schaffen es unter Hardwickes Regie, aus den Wunsch-Projektionen des Buches glaubwürdige Charaktere zu machen, die (zumindest im Original) auch tatsächlich wie Teenager sprechen. Dennoch folgen Story und Dialoge weitestgehend dem Buch – die große Liebe bricht auch hier völlig unvermittelt aus. Wer also gehofft hat, durch den Film den Hype um das Buch endlich verstehen zu können, wird enttäuscht.

Für alle, die "Twilight" gelesen haben und das Buch amüsant finden, weil...
Bella Swan (sic) eine offensichtliche Mary Sue ohne jegliche Interessen, aber mit Slapstick-artigen Tollpatschattacken und Edward dementsprechend ein eindeutig von einer Frau konstruierter, überirdisch perfekter Held ist, und die Liebe zwischen beiden nicht eine Sekunde glaubwürdig erscheint - dafür aber in endlosen schmachtenden Blicken und Worten breitgetreten wird.
Der Film ist leider nicht ganz so lustig – Hardwicke hat einen großen Teil des Schmalzgewabers abgespeckt, aber immerhin die Kracher ("Löwe/Lamm" usw.) drinnen gelassen. Obwohl die beiden Hauptdarsteller in Interviews eindeutig eine ironische Distanz zu Story und Figuren zeigen, spielen sie ihre Rollen absolut ernsthaft und das überraschend gut. Nur in einer Szene – als er ihr verrät, dass er seit Monaten jede Nacht in ihrem Zimmer weilt u. sie heimlich beim Schlafen beobachtet – reagiert Stewart mit einem einigermaßen gezwungen-leerem Gesichtsausdruck, als würde sie krampfhaft daran arbeiten, nicht in Gelächter auszubrechen... Insgesamt entfernt sich gerade Bella weit vom Buch: Sie fällt nicht einmal in Ohnmacht und errötet nie. Dafür hat man ihr dann einen Spruch über selbständige Powerfrauen in den Mund gelegt, wie er un-Bella-mäßiger gar nicht sein könnte. Zum Lachen sind ansonsten eher Aspekte, die mit dem Buch gar nichts mehr zu tun haben, wie beispielsweise alberne Special Effects, die Cullens-Kochshow (no kidding), das sehr ungleichmäßig verteilte Make-up der vegetarischen Vampire, die miesesten Blondierungen seit "Alexander", ein alberner und aufdringlicher Cameo-Auftritt der Autorin, sowie ein sehr lustiger Fake Fantasy-Moment in der Promnight - in welchem Jacob urplötzlich aus einer Art Lothlórien auftaucht.
Fazit: Wer auf ein unfreiwillig komisches High School Grusical gehofft hatte, wird enttäuscht. Allerdings gibt es jede Menge alberne Elemente, die noch nicht einmal im Buch vorkommen, und Edwards Glitzern in der Sonne entspricht auf jeden Fall der Adventssaison…

Für alle, die "Twilight" nicht gelesen haben und einen guten Vampirfilm erwarten
Denjenigen kann ich nur wärmstens empfehlen, sich den Film zu ersparen – es sei denn, sie tolerieren die kleinen Eigenheiten der Meyerpires: Diese ernähren sich ausschließlich von Tieren (und nennen sich "Vegetarier"), glitzern in der Sonne, haben keine Probleme mit Spiegeln, Kameras oder Knoblauch; sind teilweise mit "X-Men"-ähnlichen Kräften ausgestattet, besuchen freiwillig die High School und spielen auch ganz gerne mal Baseball. Zwar tauchen auch hier ein paar "normale" Vampire auf, werden dann allerdings nur als spannungstreibender Subplot eingesetzt.
Und wen das jetzt noch nicht abschreckt: Es gibt kaum Blut- oder Actionszenen (der Film erzählt eine Teenieromanze), Make-up und Special Effects sind minderwertig.
Fazit: Meyerpires sind sehr speziell und haben mit klassischen Vampiren kaum noch etwas gemeinsam. Zudem erzählt "Twilight" zu neunzig Prozent die Geschichte einer Teenagerliebe.

Für alle, die "Twilight" nicht gelesen haben und eine Teenieromanze erwarten
Bingo: "Twilight" ist eine eigentlich klassische Geschichte über verbotene, obsessive Liebe - angereichert mit übernatürlichen Elementen und atmosphärisch dichtem Setting. Action- und Gewaltszenen gibt es nur wenige. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, und beide reden tatsächlich meistens wie Jugendliche, obwohl er ein weitaus älterer Vampir ist. Catherine Hardwicke zeigt nach "Thirteen" und "Dogtown Boys" auch hier wieder ihr Gespür für teenage angst, obwohl ihr Änderungen des Drehbuchs von der Autorin der Bücher weitestgehend untersagt wurden. Störend wirken allerdings ein sehr unausgewogenes Make-up bei den Vampiren und wenig überzeugende Special Effects.
Fazit: "Twilight" ist eine klassische Teenagerliebesgeschichte mit übernatürlichen Elementen, einigen Actionszenen, sowie atmosphärischen Landschaftsbildern – und damit perfekt für alle, die eine etwas andere Teenieromanze sehen wollen.




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