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James Bond 007: Keine Zeit zu sterben
James Bond 007: Keine Zeit zu sterben
© Universal Pictures International

Kritik: James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ein großes Jubiläum: "Keine Zeit zu sterben" ist der 25. Film im Bond-Universum seit 1963 – und gleichzeitig der Abschied von Daniel Craig in der Rolle des Doppelnullagenten, der Bond seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stempel aufdrückte. Der direkte Vorgänger, "Spectre", erwies sich mit einem Einspielergebnis von 880 Millionen Dollar als großer Kassenerfolg. Regie bei "Keine Zeit zu sterben" führte Cary Fukunaga. Bekannt wurde er 2009 mit dem Thriller "Sin Nombre". "Keine Zeit zu sterben" entstand ab Frühjahr 2019 unter anderem in London, Norwegen, Italien und Schottland.

"Keine Zeit zu sterben" zeigt einen in die Jahre gekommenen, innerlich zerrissenen James Bond, der mit seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem MI-6, endgültig gebrochen hat. Dies deutete sich bereits in den vorherigen Filmen an. Hier jedoch wird die Entfremdung auf die Spitze getrieben. Und diese zeigt sich unmittelbar und ohne Rücksicht bei einem Besuch des Geheimagenten in der MI-6-Hauptzentrale. Bond wurde quasi ausradiert, aus den Köpfen und Computern gelöscht. Beim Betreten der Zentrale benötigt er gar ein "Besucher"-Schild. Die größtmögliche Demütigung.

Der Film erzählt auch von einer Zeitenwende. Die nächste, junge und frische Generation an Agenten hat das Zepter mittlerweile übernommen. Und Bond? Der leidet noch immer unter dem Verlust seiner großen Liebe, Vesper Lind. Vor allem eine Szene macht deutlich, dass der Ex-Superagent nicht mit dem Verlust abschließen kann. Dass man es sich mit ihm, soviel sei verraten, aber auch im gesetzten Alter von 50 Jahren nicht verscherzen sollte, davon künden die vielen beindruckend choreografierten Action-Szenen und atemberaubenden Verfolgungsjagden.

Ein absolutes Highlight des Films ist die bereifte Schnitzeljagd durch das mittelalterliche Matera, die durch enge Gassen und über jahrtausendealte Brücken führt. Gekonnt und stimmig führt Fukunaga die erzählerischen und inhaltlichen Fäden der Vorgängerfilme zusammen. Und auch wenn Rami Malek die Boshaftigkeit, das Durchtriebene und vor allem das Charisma von legendären Bond-Bösewichten wie Le Chiffre, Stromberg oder Goldfinger abgeht: Der Film hat mit Christoph Waltz, der erneut als Blofeld zu sehen ist, eine nicht zu unterschätzende Geheimwaffe in der Hinterhand. Feuert er diese ab, wird "Keine Zeit zu sterben" endgültig zu einem würdigen "Spectre"-Nachfolger und emotionalen Craig-Abschied.

Fazit: Tolle Actionszenen, spektakuläre Schauwerte und ein gebrochener Held: "Keine Zeit zu sterben" ist ein würdiger Abschied für Daniel Craig und gleichzeitig allerbestes, kurzweiliges Blockbuster-Kino für Augen und Ohren.




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