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Jurassic World
Jurassic World
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Jurassic World (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Steven Spielberg ist ein Wiederholungstäter, lehrt sein Publikum ein ums andere Mal das Staunen. Vor 22 Jahren tat er es mit den wiedereweckten Echsen seines "Jurassic Park". So täuschend echt hatten sich Dinosaurier bis dato noch nie über die Leinwand bewegt. Mechanische Figuren und Computertechnik machten es möglich. Doch die Münder der Zuschauer standen mit jeder Fortsetzung etwas weniger weit offen. Bilder aus dem Rechner wurden (Kino-)Alltag. Die Reihe verlor ihren Reiz. 2001 war dann (vorerst) Schluss. Spielberg saß hier schon nicht mehr selbst auf dem Regiestuhl, sondern produzierte nur noch.

Der vierte Teil ist sich dieses Problems bewusst, spiegelt es in seiner Handlung. Auch der Park hat mit dem Verlust seiner Schauwerte zu kämpfen. Der gemeine Besucher lässt sich von einem gewöhnlichen Stegosaurus nicht mehr so leicht beeindrucken. Stellvertretend steht hierfür Claires Neffe Zach (Nick Robinson), der sich lieber nach hübschen Jugendlichen als nach hässlichen Urzeitechsen umsieht.

Regisseur Colin Trevorrow unternimmt alles dagegen, dass es seinem Publikum nicht wie Zach ergeht. Die Effekte sind erstklassig, 2015 selbstredend in 3D. Doch die Bilder der Dinos bieten kaum Neues. Und so beschränkt sich das Staunen in "Jurassic World" größtenteils auf die gelungene Gestaltung des Themenparks. Wenn Claires Neffen etwa in geschützten Glaskugeln zwischen den Riesenechsen über die Wiesen rollen oder der Fütterung eines Meeressauriers in einem gigantischen Aquarium beiwohnen, dessen Tribünen sich absenken lassen.

Handlung und Umsetzung hätten hingegen etwas mehr von diesem Einfallsreichtum vertragen. Während Spielberg bereits durch ein Beben im Wasserglas die Spannung bis zum Zerreißen steigerte oder in Parallelmontagen geschickt mit dem Suspense spielte, bedient sich Trevorrow simpler Überraschungsmomente. Die Dinos überzeugen dabei mehr als die Charaktere. Vor allem die beiden Jugendlichen bleiben blass. Spielbergs große Stärke, tatsächliche oder konstruierte Familienverhältnisse glaubhaft und emotional involvierend auf die Leinwand zu bringen, geht Trevorrow vollkommen ab. Auch zwischen Claire und Owen will keine rechte Spannung aufkommen – obwohl hier zwei Alphatiere aufeinander treffen: Sie, die ordnungsliebende Chefin; stets kühl und kontrolliert. Er, der chaotische Freigeist; überheblich, aber charmant.

Doch das Bild der taffen Karrierefrau bröckelt. In der Krisensituation ist Claire mit dem Management des Parks überfordert, im Alltag überfordert sie der Umgang mit Kindern. Und am Ende verfällt sie Owen allzu leicht. Ein fragwürdiges Frauenbild, das der Film hier zeichnet. Kein Vergleich zu Laura Dern, die im ersten Teil als Dr. Ellie Sattler gleich mehreren Männer die Schau stahl. Doch während Sattler John Hammonds Sexismus vor 22 Jahren mit (kurzen) Hosen und schweren Stiefeln begegnete, krempelt Claire in "Jurassic World" zwar die Ärmel hoch, zieht ihren Rock und die Stöckelschuhe jedoch – im übertragenen wie im Wortsinn – nie aus. Tricktechnisch mag der vierte Teil die Reihe einen Schritt nach vorne bringen, erzählerisch und inhaltlich katapultiert er sie zurück ins Mesozoikum.

Fazit: Nachdem die Reihe immer mehr an Reiz verlor, legt der vierte Teil die Messlatte in puncto Schauwerte und Tricktechnik wieder höher. Mehr als die Dinos versetzt einen jedoch das antiquierte Frauenbild in Staunen.





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