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Kritik: Bohemian Rhapsody (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Drehbuchautor Anthony McCarten, der durch seine Skripts zu "Die Entdeckung der Unendlichkeit" und "Die dunkelste Stunde" bereits reichlich Erfahrung im Bereich des Biopics sammeln konnte, schildert in "Bohemian Rhapsody" die Geschichte der britischen Rockband Queen und des Leadsängers Freddie Mercury. Die Produktion des Films wurde von etlichen Schwierigkeiten begleitet – so wurde der Regisseur Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen", "X-Men") 16 Tage vor Drehschluss durch seinen Kollegen Dexter Fletcher ("Eddie the Eagle") ausgetauscht –, das Endergebnis ist jedoch überaus mitreißend geraten. Das Werk nimmt sich viele kreative Freiheiten und setzt dabei ganz auf den Sog der Musik.

Dramaturgisch ist "Bohemian Rhapsody" durchaus konventionell: Es wird gezeigt, wie die vierköpfige Band sich findet, wie bei einem ersten Auftritt die Skepsis des Publikums in Begeisterung übergeht und wie es nach der Aufnahme des ersten Studioalbums zu einem Deal kommt, der Fernseh- und Liveauftritte ermöglicht. Bemerkenswert ist vor allem, wie die Entstehung einzelner Songs vermittelt wird – zum Beispiel wenn sich das Quartett aufs Land zurückzieht, um dort das titelgebende Album aufzunehmen, in welchem Opern-Elemente eingebaut und Ton-Experimente gewagt werden. Als Rahmen der Erzählung dient der Live-Aid-Auftritt im Londoner Wembley-Stadion im Jahre 1985, der perfekt rekonstruiert wird. Singers Stammkameramann Newton Thomas Sigel fängt in den Bühnensequenzen die für Queen typische Wucht ein, erzeugt in anderen Szenen aber auch die nötige Intimität zwischen den Figuren. Die visuelle Extravaganz, die gelegentlich aufblitzt, hätte indes in einigen Momenten noch weiter gehen dürfen.

In der Hauptrolle gelingt es Rami Malek ("Mr. Robot"), die Energie von Mercury zum Ausdruck zu bringen, wenn dieser etwa bei Konzerten mit der Menge interagiert; zugleich kann er die einzigartige Mischung aus Schüchternheit und flamboyanter Furchtlosigkeit, die den Sänger zur Ikone machte, überzeugend verkörpern. "Ich finde, wir sollten uns alle mehr trauen", sagt Mary Austin, die von Lucy Boynton ("Sing Street") wunderbar verkörperte Freundin von Mercury, an einer Stelle – und bringt damit auf den Punkt, weshalb Mercury noch heute so eine einnehmende Persönlichkeit ist.

Fazit: Ein intensiver Musikfilm, der die Kreativität feiert und mit dem hingebungsvollen Rami Malek einen superben Hauptdarsteller gefunden hat.




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